918 – Vogel

Wieder einmal herrscht die grosse Leere in einem kleinen Hirn. Ich sitze vor dem Bild eines Vogels, mir fällt dazu nichts ein. Im Gegensatz zu mir scheint das Tier voll unter Dampf zu stehen. Er muß voll bei der Sache gewesen sein, als er abgelichtet wurde.
Es ist ein afrikanischer Graupapagei, und er trägt eine Waffe, wo andere Viecher ein Maul haben. Aber er strahlt Autorität aus und kann deshalb in Frieden leben.

Es ist die gefürchtete Mamagei.

Diese Kampfhenne muss nicht beschrieben werden. Wohl dem, der noch zur rechten Zeit das Weite gesucht hat, bevor er mit einer solchen Vogelin den Bund fürs Leben schliessen musste. Es gilt immer noch,

dass man prüfen soll, bevor man sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet.
Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang.

Das walte Friedrich Schiller und sein Lied von der Glocke!

Was ich meine, ist:
Bevor Du ein Risiko eingehst, frage Dein Herz danach, ob’s nicht auch ein senibler, kluger Papagei tut; er ist zuverlässig monogam, und Du kannst ihn Vokabeln lehren, gerne auch in Russisch. Und wenn er Besucher mit „говно“ begrüsst, was sich wie govno anhört und Fäkales benennt, dann wisst nur Ihr beiden, dass ihr den Besuch echt Scheisse findet.

Zugegeben, die Sache mit dem Papagei hat einen Pferdefuss. Wenn dieser Vogel sommers, wenn alle Fenster offen stehen, damit beginnt, in voller Lautstärke und aus Übermut auf Russisch „govno“ zu brüllen, so kann es geschehen, dass sich auf der Strasse vor Deinem Haus die halbe russische Kolonie versammelt und mitbrüllt. Dann kannst Du nur noch Deinem Vogel den Hals mit einer Banane stopfen und mit 6 Flaschen Wodka draussen für Ruhe sorgen. Dann ist passiert, was vielleicht nicht in Deinem Sinne ist. Wenn draussen 30 Russen standen, brüllten und tranken, dann hast Du plötzlich 29 neue Freunde. Und sie alle wollen für Dich Vareniki oder einen Borschtsch kochen.
Und so lernst Du en passant, wie hart das Leben sein kann!

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