875 – Brot

Es duftet. Es duftet im ganzen Haus. Irgendwer hat gebacken. Frisches Brot, vor 30 Minuten aus dem Backofengeholt, mieft vor sich hin. Ich gestehe, der Bäcker zu sein.
Der Sünder heisst also nicht Irgendwer, sondern Papa.Und Papa ist es wieder gelungen, ein halbes Pfund Butter an die Front zu schmuggeln. Ok, unverschlüsselt:
Das neue Brot sieht wie ein Brot aus. Bei meinen Versuchen war das nicht so. Die Produkte ähnelten mehr einem Findling aus Rotsandstein.

Heute habe ich also den halben Weg zu einem guten Roggenmischbrot mit Sauerteig geschafft. Nun mag man fragen, was mit der vermissten zweiten Hälfte geschehen ist.
Nun, ich verrate das Problem. Die zweite Hälfte liegt in einer Lücke! Ich wage es nicht, mich darauf zu berufen. Es ist nämlich so: Meine Brote riechen gut. Und sie sehen mittlerweile auch gut aus. Aber Aussehen und Geruch machen nicht satt. Dazu wäre es nötig, dass mein Brot auch gut schmeckt – und da haben wir den Casus belli. Was ich bisher geschafft habe, lag hart an der Grenze des Ungeniessbaren. Ein Teelöffelchen mehr Mehl, und ich leiste mir den Luxus einer Körperverletzung. Das Genusserlebnis gleicht ….. gleicht ….. dem Essen eines Kabeljau’s mitsamt Gräten. Ja, jetzt hab ich es.

Das neue Brot, also das von heute ist – ich sage das voller Stolz – als Dekostück eines Bäckers in seinem Schaufenster sehr gut einsetzbar. Es hält sich im Schaufenster monatelang. Doch leider sind manche Bäcker nicht die hellste Kerze auf der Torte. Wenn einer mein Brot ins Schaufenster legt, kann er seines verkaufen, statt es in der Sonne trocknen zu lassen und dann wegzuwerfen. Und mein Brot ist originell! Keiner legt ein Brot ins Fenster, das man nicht essen kann. Ich schon. Und das Beste: Man sieht ihm sein Defizit nicht an – perfekt!

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