861 – Eisensulfat

Kennst Du Eisensulfat?

Herstellung: Die Herstellung erfolgt durch das Auflösen und Kochen von Eisen oder Eisenabfällen in Schwefelsäure. Das Produkt wird in eine Schale filtriert und mit Wasser verdünnt. Aus der kalten Lösung kristallisiert das Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat.
In gereinigter Form bekommt man Eisensulfat als Medikament gegen Eisenmangel im Blut, und andere Erkrankungen dieses Formenkreises.
Bekanntlich wird Eisen für die Bildung des Hämoglobin benötigt.

Gerade habe ich davon 20 kg gekauft. Wir streuen das Zeug einfach in den Garten, genauer: Auf den Rasen.
Das ist pfiffig, nicht wahr?

Wenn Du 250 qm mit Eisensulfat bestreust, hast Du einen Rostfleck mit einer Ausdehnung von genau 250 qm.

Nein, es geht bei der Aktion keineswegs um Eisenmangel und Hämoglobin-Bildung. das hast Du Dir schon gedacht? Wir wären ein richtig gutes Team, Du und ich. Nein, das blaue Pulver verschafft der Graspflanze Luft zum Atmen, indem es die Moose abtötet. Wir greifen auf diese Weise aktiv in einen Verdrängungswettbewerb ein, um eine grüne Pflanze auszurotten und eine andere grüne Pflanze zu fördern. Dies riecht ein wenig nach Nonsens, nicht wahr? Wundere Dich nicht – die Idee ist britisch! Dort hat vor Jahrhunderten ein Gärtner entschieden, dass ein Rasen aus Gras, und nicht aus Moos zu bestehen hat. Seitdem quälen sich Hobbygärtner und Rasenstücke Jahr für Jahr um die Reinerhaltung eines englisch genannten Rasens – ob der Boden das nun mitmacht oder nicht, ist dabei völlig ohne Belang.

Wenn Du nun glaubst, Du wärst damit durch, liegst Du ein reichliches Ende daneben. Noch während Du die kahlen Stellen mit Berliner Tiergartenmischung, einer allseits beliebten Grassamenmischung bestreust, beginnt der harte Kern unter den Graspflanzen, obschon bis auf die Wurzel runtergeschrubbt, explosionsartig zu wachsen. Ein rascher Blick auf die leeren Plastikeimer bestätigt den fürchterlichen Verdacht: Im Eisensulfat war Dünger enthalten! Und Du erinnerst Dich an die Jahre zuvor, wo alles genauso abgelaufen war – und die unbedachte Rasendüngung vom frühen Frühjahr an bis kurz vor Weihnachten im 3-Tage-Rhythmus Rasenmähen erforderlich machte. Anderthalb Stunden hechelst Du hinter Deiner Maschine her, und am Ende weisst Du nicht, wohin mit dem grünen Dreck. Also 17 km zur Deponie, 17 km retour. Beim Abschied ein lachender Aufseher: Also, wir sehen uns in drei Tagen wieder! Machs gut! Betroffen rollst Du vom Hof – auch der noch!

Irgendwer hat mir mal geraten, ich solle ein paar Stangen Dynamit in den Garten werfen, und den Rest die Natur besorgen lassen. Wie recht der hatte …..

Nun, der guten Ordnung halber sollte ich hinzufügen, dass der Garten nicht mein Reich ist, sondern neuerdings das meiner Tochter. Seit ich vor vielen Jahren beim Jäten junge Rittersporn-Pflänzchen als Unkraut erkannt und ausgerissen habe, herrscht für mich so etwas wie Gartenverbot, und ich darf in demselben nur unter Aufsicht arbeiten – wenn überhaupt. Denn seit jenem denkwürdigen Tag trage ich das Etikett „Achtung! Zu blöde für Gartenarbeit!“.

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