852 – Kuhstall

Also, ich weiss nicht, wie es Dir ergeht, wenn Du an Deinem Computer beschäftigt bist. Wie bitte? Du benutzt keinen Computer? Das gibt es einfach nicht. Erst mal mach Deine Elektrogeräte alle auf, und schau nach, was drinsteckt. Computer. Schau unter den grossen Deckel Deines Autos: Computer! Klapp zur Sicherheit Dein belegtes Brötchen auf – man weiss nie!
Im Ernst: Kein PC? Schreiben mit der Hand am Arm? Spell checking per Hirn, und einen Thesaurus im Kopf? Hut ab – das nenne ich originell. Und wie hältst Du es dann mit dem Rest der häuslichen Technik? Waschmaschine? Staubsauger? Fernseher? Deine Kuh von Hand melken? Ach, Du hast keine – das ist was anderes. Normalerweise ruft der Bauer den Futterplan für jede Kuh einzeln ab, und Futterautomaten zählen dem Rindvieh die Maiskörner vor bis auf das letzte Stück! Wenn im Stall jedes Stück Vieh einen Namen trägt, dann nicht, damit man mit ihm eine gepflegte Konversation führen kann, sondern weil der Computer Namen benötigt. In den Kabelkisten hat alles einen Namen! Auch wenn Fachleute dann file name, field name oder name dazu sagen. Den Dialog mit der Kuh Marie kannst Du vergessen. Statt dessen darfst Du Dich mit dem Computer unterhalten, vielmehr mit einer Software namens

Super!milch – das Fütterprogramm für die glückliche Kuh!

Und wenn der bäuerliche Computer dann auf einen schweren Ausnahmefehler brummt und der Hotliner schon wieder zum Arzt musste, ja dann wird die Kuh halt hungern müssen! Dann wird sie nach ihrem Kraftfutter brüllen, keinen an ihren Euter ranlassen, und der Bauer steht ratlos davor und weiss nichts, schmeisst in seiner Verzeiflung eine Schaufel Trockenfutter in den Trog, aber Marie brüllt vor Zorn, weil sie das nicht kennt, so nicht, das Zeug aus dem Futterautomaten sieht ganz anders aus, und der Bauer frisst auch keine ungekochten Nudeln, nur weil die Wasserwerke streiken, dann setzt er sich ans System und schaltet aus. Sofortige Rebellion im Kuhstall. Jetzt hat er alle Rindviecher gegen sich, weil die Biester denken, nun gäbe es nichts mehr zu fressen. Einschalten. Der Monitor spendet das vertraute grüne Licht, die Kühe stehen still in ihren Boxen, käuen wieder. Plötzlich rasselndes Geräusch. Der Bauer dreht sich entnervt um, und schaut ungläubig zu, wie Marie unvermutet gefüttert wird. Keiner weiss warum. Natürlich brüllt sie weiter, aber der Bauer behält nun die Oberhand. Sie will endlich gemolken werden, weil ihr mittlerweile das Monster-Euter höllisch wehtut. Und während der Durchflusszähler leise vor sich hinrödelt und schliesslich 27 Liter Frischmilch der Marke „Marie“ anzeigt, kommt der Bauer doch noch zum Nachdenken. Nimmt sich vor, den Computer rauszuschmeissen, und, um eine erneute Rebellion seiner Milchbrigade zu verhindern, nur den Bildschirm weiterleuchten zu lassen. Hauptsache grün. Und füttern wie früher. Mit den Tieren reden, ihnen die Schlager aus dem Jahr 1965 vorsummen, ein wenig kraulen – und wenn die Kuh leer ist, eine ordentliche Wurst draus machen lassen. Die Kabelkiste schenkt er seinem 12jährigen Neffen, der hat noch bessere Nerven

Kein PC im Haus? Zugegeben: Auch ein solcher Standpunkt ist akzeptabel. Welcher normale Mensch braucht schon einen Automaten, der zu blöde ist, schwarze Buchstaben in Grösse 14 pt mit dem Font ARIAL zuverlässig darzustellen, der so inkontinent ist, dass er solche Formatangaben unter sich lässt, und statt dessen in kackbraun mit Grösse 8 pt den Haettenschweiler durchzusetzen versucht, den ich ums Verrecken nicht ausstehen kann.
Ehrlich: t-online-mail leidet genauso unter besagter Krankheit, wie WORD im Office 2000. Diese Software-Entwickler müssen krank im Kopf sein, sonst würden sie nicht solchen Schrott abliefern, den andere Typen dann auch noch zu Geld machen. Siehst Du: Falls Du tatsächlich nocht in einer PC-freien Zone lebst, so verteidige sie mit Klauen und Zähnen. Ich will Dir gar nicht erst erzählen, wie ich innerhalb von 4 Tagen zweimal mit format c: arbeiten musste, und warum, nur glaub mir – freiwillig macht das keiner!
Tatsache ist, dass man einen ständigen Kampf gegen seinen Computer führen muss, will man Herr im eigenen Hause bleiben. Diese dämliche Blechkiste führt ein Eigenleben und trifft selbständig Entscheidungen. Kann sein, Du schaltest das Teil ein, und betrachtest Deinen Desktop. Der ist das erste, was Du zu sehen kriegst. Der Start. Und Du stellst fest, da ist was drauf, das kennst Du nicht. Das gehört auch nicht dorthin. Du hast es nicht verlangt, Du weißt nicht, was es ist, aber Du fürchtest Dich, es auszuprobieren oder gar zu löschen, weil Du nicht beurteilen kannst, was Du damit anrichtest. Du erleidest eine Schub Deiner Paranoia. Das ist eine psychische Störung, die schleichend, und vom Kranken unbemerkt ein andauerndes System von Wahnvorstellungen entwickelt. Hat Dich nun das Code-red-Virus erreicht und wird gleich Deine Festplatte zerstören? Ist Dein 7-jähriger Sohn am System gewesen und hat Pornoseiten geguckt? Um Himmels Willen, ist die Einkommenssteuererklärung noch da, oder muss ich alles wieder von neuem aufrollen? Du schaust verstört auf Deinen Bildschirm, begutachtest das fremde Icon, so´n Symbol, ein Bildchen halt, denkst nach – denkst nach – nichts. Nie gesehen. Untersuchst endlich die Eigenschaften des Dings – na bitte, heisst hxbgms.exe und steht unter Windows/System, aber das bringt Dich auch nicht weiter, aber .exe steht für execute, was nun? Öffne ich das Ding, ists garantiert ein Virus. Lösche ich es, wars ein Teil vom Online-Update. Manchmal gibt so was vom Software-Hersteller, das sind Flicken, mit denen man Fehler behebt. Solcher Krempel kann automatisch ankommen und irritiert gnadenlos! Einfach ignorieren schafft man auch nicht.
Also, sei mutig, mach endlich Deinen Doppelclick und starte das unbekannte Programm. Viren werden nie so grosskotzig angekündigt. Also ran, und – click click! Und es öffnet sich auf dem Monitor ein Fenster mit „Grün überwiegt“, und Du liest

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