845 – Belanglosigkeit

Soeben habe ich mir meinen Beitrag Nr. 844 noch einmal angesehen. Mein Gott, dachte ich, der Text ist doch völlig belanglos! Er ist in Worte geronnenes Dampfgeplauder und so bedeutungsvoll wie ein Lindenblatt im Rinnstein! Und dann noch ein flacher Witz drin!

Na und, denke ich, das muss man erst mal so hinkriegen! Immerhin bin ich von jener Sorte, die sich auch zu einer rostigen Sicherheitsnadel einen Text abkneifen können. Doch, ich kann das. Soll ich es hier beweisen? Dann pass mal auf:

„Da lag sie nun, die Sicherheitsnadel, im Abfluss der Waschmaschine, und fragte sich bange, wo ihre Hose abgeblieben sein könnte, deren vordere Öffnung sie geschlossen halten sollte, damit Opa nicht ungewollt blank zog …..“ Schon gut. Ich mache nur Spaß.

Wirklich lästig, weil in meinem Hirn kleben geblieben, ist das Wort „belanglos“. Man könnte es krankhaft nennen, dass mich ein solches Wort über längere Zeit beschäftigt, aber es ist so. Warum? Belanglos ist ein Werturteil, man benutzt es unbedacht und kann damit Schaden anrichten.

Ich möchte nun kein Fass aufmachen. Mein Thema ist nicht gewaltig. Es ist eher mini und bietet keinen Ansatz für neue Erkenntnisse. Vielleicht kann ich es mit einem Ordnungsruf abwürgen?

Mal sehen. Da liegt ein Lindenblatt im Rinnstein. Das kümmert niemand. Nur mich, wegen der scheinbaren Belanglosigkeit. Darum bücke ich mich und greife danach. Lege es mir auf die linke Hand und spüre, wie ein Interesse erwacht. Ich schaue und staune über die Schönheit der Blattstruktur, ich sehe die komplette Lebensspanne dieses kleinenWunderwerks und seine Aufgaben und verstehe plötzlich. Selbst als totes Material ist mein Lindenblatt mikrobiologisch wertvoll …. als Wirt für Bakterien. Belanglosigkeit, sofern es sie überhaupt gibt, sieht gewiss anders aus. Selbst ein Kiesel im Flussbett istvon Bedeutung …. vielleicht nicht heute, und nicht morgen, aber möglicherweise in 500 Jahren …..

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