841 – Backen

Mein Weizenmischbrot ist ordentlich gebacken, genießbar, aber für mich kein Genuss. Darum habe ich mich umgehend an ein Roggenmischbrot gemacht. Zur Zeit liegt der Teigling im Kühlschrank und chillt. Alle Bearbeitungsstufen hatten gute Ergebnisse, die Hefen haben zufriedenstellend gearbeitet.

Was ist nun bemerkenswert?

Es ist der Weg aus der Wärme ins Gärkörbchen. Ich habe längst begriffen, dass Roggenteig hinterlistig ist. Deshalb war ich gut vorbereitet. Also holte ich meinen Teig aus dem warmen Backofen. Ich hatte eine feste Kugel reingeschoben, und heraus kam eine Schüssel voller klebriger Schmiere. Ich also reingefahren in die Latex-Handschuhe Größe M – zu klein! Egal. Ich krempelte die Ärmel hoch und begann, den Kleister aus der Schüssel zu kratzen. Er will aber nicht raus. Hält sich an allem fest, was er erwischen kann. Im Nu hatte er meine Teigkarte zu 95% okkupiert und kroch mir an den Fingern längs. Ich konnte sie nicht mehr bewegen. Schabe mir den Teig aus der Handfläche, und der Handschuh zerreisst. Nun wollte ich meine Finger wiederhaben. Greife in den Teig und ziehe; er hat die Finger nicht losgelassen, die des Handschuhs. Ich ziehe und ziehe, und reisse meinem Handschuh die Fingerlinge ab. Schliesslich sass ich frustriert da und dachte nach. So war das alles nicht geplant. Vor mir das klebrige Ding, einem Alien gleich, heimtückisch, störrisch uind echt unsympathisch. Ich greife zur Waffe. Sie heisst Weizenmehl. Das mag der Roggen nun mal garnicht. Es mögen so an die 200 Gramm gewesen sein, die ich mit Todesverachtung hineingewürgt habe, bis der Roggen kapitulierte. Zweimal gefaltet, Kugel geformt, das ging nun alles, ab ins Körbchen und in den Kühlschrank. Dort soll er 16 Stunden verweilen – ich gebe dem Sauhund vier. Dann hat er seinen Abgang ….. in die Hölle.

Wenn man denkt, nun sei die Schlacht geschlagen, und ich hätte gewonnen – nichts da. Ich bin von Kopf bis Fuss eingesaut, als hätte ich 600 Semmeln gebacken, und alle mit der Hand am Arm gefertigt. Mein Geschirr, ich mache hinterher immer sauber und wasche ab, mein Geschirr war in einem Zustand, als hätte ich mit Beton gearbeitet. Roggenteig spült man nicht ab! Das lässt der nicht zu! Das geht nur mit Gewalt! Ganz brachial! Mit Werkzeug! Aber auch hierbei mit Verlusten. Ich kriegte eine Messerklinge so sauber, wie sie noch nie war. Fasse das Messer am Griff an, um das Teil abzutrocknen. Und wo fasse ich voll rein? Richtig, in Roggenteig! Und schon wirds wieder mühevoll. Erst die Hand wieder sauber kriegen, dann das Messer am Griff. Alles mit Kratzen und Schaben. Und es rödelt im Kopf. Um wieviel einfacher geht das mit einer guten Küchenmaschine – eine Fehlinvestition, wenn ich mit dem Brotbacken wieder aufhöre. Andererseits würde ich vielleicht nicht aufhören, wenn ich mir die Schweinerei ersparen könnte.

Ich kann das noch nicht entscheiden. Gut Ding braucht Weile. Ich extra viel.

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