812 – Ernsthaft

Siegfried nervt mittlerweile ein wenig, stimmt’s? Sorry, ich bin gewissenlos und mach‘ ein Stück weiter. Man kann über alles schreiben, muss aber nicht alles lesen, nicht wahr?

Heute stolperte ich über ein Video, das mich un eingeschränkt bestätigt: Das Brot, das wir beim Bäcker oder im Supermarkt kaufen, ist minderwertig, weil von mieser Qualität. Da gibt es in der Pfalz einen jungen Mann, der Brot backt, wie ich es versuche, nur gekonnt, also nicht gemurkst. Er backt hunderte Sauerteigbrote, verkauft sie doppelt so teuer wie ein normaler Bäcker, und auf der Strasse stehen regelmässig Menschenschlangen, die sein Brot haben wollen. Nach 2 Jahren seit der Eröffnung beschäftigt er 8 Angestellte. Und alle backen wie die Teufel insgesamt 12 Brotsorten, also vom Baguette bis zum Roggenvollkornbrot. mIn DE haben wir total ca. 300 Brotsorten.

Ich hatte angedeutet, dass Quali der Grund ist für meine Versuche, ein ordentliches Brot zu backen. Siegfried füttern ist Pflicht, wie bei den Katzen. Ein alter Bäcker von der Alb erzählt, dass er seinen „Siegfried“ vor 18 Jahren ansetzte und seither ihn täglich benutzt, um seinen Brotteig herzustellen. So macht man das!

Nun aber zu mir. Ich bin keinesfalls davon überzeugt, dass ich die Cojones habe, mir in den nächsten Jahren mein Brot selbst zu backen. Ich hasse Routine, Pflichten und anderen solchen Mist.

Soeben las ich bei AMAZON: Maggi Rahmsosse zu Braten 1,29 oiro, wird gern zusammen gekauft mit Vitakraft Calciumknochen (Hund), mit Axe Bodyspray, mit Oral B Zahnbürste und mit Hipp Babysanft Toilettenpapier feucht.

Man lernt nicht aus. Das ist eine unverzichtbare Auswahl von Artikeln, die eine Rahmsosse erst wirklich geniessbar macht!

Zurück zum Brot: Ständig Brot backen – gerne, wenn andere das erledigen. Sollte ich auf diese blöde Idee kommen, dann müßte eine gute Küchenmaschine her, ein Teigschaber, einige Plastik-Kochlöffel, weitere Mehlsorten in 5-Pfund-Verpackung, 3 Kästen Bier und mindestens 30 Liter Gulaschsuppe. Darunter läuft nichts.

Wenn ich dann noch, nach allen erdenklichen Investitionen, auf den dezenten Geschmack von sauerländischer Fichte in der Erdbeertorte verzichten muss, weil ich keinen Holzofen im Haus habe, wird meine Motivation zum Backen wohl flöten gehen. Dann sitze ich da mit meiner Kenwood-Küchenmaschine. Was soll ich mit dem hübschen Ding? Soll ich sie zum Kuscheln mit ins Bett nehmen?

Furchtbar, das Theoretisieren. Es reicht wieder einmal. Nun habe ich ein dringendes Bedürfnis ….. ich muss etwas Handfestes essen. Alles, bloss kein Brot!
Ich denke, Bratwurst nach Art der Offenbacher Marktfrauen mit etwas Pürée wäre nun angemessen. Ich werfe W. und ihre Katzen aus der Küche (schööön), stelle mir zwei Weizenbiere kalt (noch schöööner), dann werde ich meine Bratwürste mit mehreren Messerstichen töten, damit sie Saft an den Sud abgeben (das Größte!) und ihnen auf einem Tomatenbett die letzte Ruhe gönnen, geölt von der Olive und gut gewürzt mit Aceto B. di Modena und Rosmarin sowie – wie könnte man das vergessen – mit reichlich Knoblauch, fein gescheibelt natürlich. Alles, was dann aus dem Backofen kommt, ist köstlich. Dazu zählt auch der Sud; er nimmt der Kartoffel die Langeweile. Und für den Fall, dass die Bratwurst nun zu trocken ist – dafür steht dann ein Bier bereit.
Das ist’s, was nun geschieht. Wier bitte? Nicht sensationell? Du bist ganz schön verwöhnt. Vermutlich durch das Bundespresseamt in Berlin? Stimmts? Damit kann ich leben. Ich bin Amateur, dort sitzen Profis. Vive la différence!

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