811 – tot

Sigi der Jüngere ist heute früh gestorben. Er ruht nun in einem Eimer unter dem Spülbecken, recht unsauber eingetütet, aber ungefährlich. Er war halt krank, litt unter Wassersucht und nicht zu verarbeiten.

Mein Versuch, mit ihm zusammenzuarbeiten, entwickelte sich zu einem Abenteuer. Es begann mit dem „Einmehlen“ der Arbeitsfläche. Ich versuchte es so zu machen, wie man es in 679 Videos sehen kann. Am Ende meiner Bemühungen hatte ich tatsächlich eine bemehlte Arbeitsfläche geschaffen, und zugleich mein dunkelblaues T-Shirt und meine schwarze Hose großflächig mit Roggenmehl Typ 1150 eingestreut. Ich sass vor meinem Brotteig und sah aus wie ein Bäckerlehrling im 1. Lehrjahr, der durch unmäßiges Verzehren von süßem Gebäck fett geworden ist – und der auf dem Hals einen uralten Kopf sitzen hat.

Hast Du das Bild jetzt fertig gedacht? Gut. Ich kippe Sigi ins Mehl. Vielmehr ich versuche solches. Ein halber Sigi kommt aus der Schüssel geflossen wie eine Schlammlawine, und grau wie Katzen-Kotze. Die 2. Hälfte hole ich mit der Hand raus – ein schwerer Fehler. Diese 2. Hälfte klebte nun an meiner rechten Hand und hielt sich fest, sie war nur mit Gewalt zu entfernen.

Schliesslich lag das schleimige Monster vor mir, weiss gepudert, und wurde breit und breiter. Ich erkannte, dass ich es los werden musste. Er und ich – das geht nicht zusammen. Leider spitzte sich die Situation zu. Eintüten und ab in die Tonne! So die Parole des Tages. Ich kriegte Sigi mit einer Kelle zu fassen, aber es fehlten zwei Hände, um die Plastiktüte offen zu halten. Am Ende klebte Sigi rund um die Tütenöffnung, und ging keinen Schritt weiter. Natürlich war sein Widerstand verständlich, und vergeblich. Er richtet keinen Schaden an. Dafür bin immer noch ich zuständig. Ich kratze mir nun Teig-Klüten von den Klamotten. Überall sitzen solche Mini-Portionen und trocknen rasch vor sich hin.

Einen neuen Siegfried habe ich bereits angesetzt. Diesmal ist er trocken und formbar. Er kriegt 8 Stunden Ruhe, und dann geht`s ab in die Flammenhölle unseres Backofens. Die Verkostung findet morgen früh statt. Brot und Wein – wie beim Abendmahl an der Tafel von Jesus Christus; evtl. mit ein wenig Butter, um den religiösen Touch zu entfernen.

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