755 – That’s

….. life! Jetz is clock tein, wie der Platt-Deutsche sagt. Ich kann das ins Alpha-Numerische übersetzen: 10 Uhr. Ich habe mich gerade in der Küche halb tot gearbeitet. Nun sitze ich versteckt unter meinem Schreibmöbel. Bin geflüchtet. In der Kochbude steht nämlich noch jede Menge schmutziges Geschirr – und Vatter ist völlig ausgepumpt. Aber der Reihe nach:

Um 8 bin ich aus meinem Bett gefallen. Es dauerte, und es war harte Arbeit, bis ich so weit klar war, um Kaffee kochen zu können.
Ein rascher Blick nach nebenan: Ein Riesenbett, darin zwei Füsse und eine Katze. Allns klor. W. ist zu Hause, aber noch ohne Bewusstsein. Ok, denke ich, trinke ich meinen Kaffee allein, ich kann das.

Die Kaffeemaschine verendet röchelnd. Es ist ein gutes, freudliches Geräusch. Dumm nur, dass daneben zwei alte, welke Salatgurken liegen. Es war ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir nun zu dritt sind, in diesem Zustand, aber sie zwingen mich, zu erinnern. Eine für Gurkensalat, eine für Zaziki. Und ich ….. ich memorierte. Salatgurke für Gurkensalat. Und der ist nur für mich. W. mag kein Saures. Der Sachverhalt hat Folgen. Den Salat muss ich selbst zubereiten, und das, nachdem ich gerade Kaffee gekocht habe. Ich fühlte mich sofort überfordert. Ausserdem hatte ich noch keine feste Nahrung zu mir genommen. Auch ein zweiter Becher Kaffee beseitigt dieses Defizit nicht.

Pfeif drauf. Wenn ich die verlauste Gurke nicht sofort verarbeite, werde ich es nie tun, und sie landet im Biomüll. Also raus mit dem Sparschäler! Zugegeben, es macht mir Spass, die Gurkenpelle in Streifen runterzuschneiden, und sie ordentlich zu stapeln. Weniger genussvoll war das Schnippeln auf dem Gurkenhobel – es ist die Angst um die Fingerspitzen, die den Spass verdirbt. Man kupiert sich einen Finger, der 5 ml gross ist, und dann laufen 500 ml Blut in die Gurken ….. diesmal ging’s gut.

Für die Vinaigrette habe ich die meiste Zeit verbraten. Eine ganze Testreihe wurde abgearbeitet, und übrig blieb, dass eine Spur von Curry im Standard ganz gut passt. Zunächst war ich zufriedengestellt, bis mir auffiel, dass in meiner Schale nur noch eine halbe Gurke fein gescheibelt und in Essigbrühe abgesoffen vor sich hin dümpelte. Sch …. dachte ich, so wird kein Mittagessen draus. Also habe ich mit Zwiebel und Cherrytomatchen aufgefüllt und probiert, und probiert – und dann den Rest Vinaigrette weggeschüttet.

Ok, dachte ich, Alter, jetzt hast Du feste Nahrung gehabt, kalorienreich durch Olivenöl, und verflucht gesund! Aber im Hintergrund raunte eine tiefe Stimme: Wer zum Frühstück Gurkensalat frisst, hat einen Dachschaden! Ich habe mich nicht umgedreht, und nicht widersprochen. Ich weiss, Saures am Morgen ist extraordinär, man braucht es, wenn man im Kopf nicht mehr klarkommt, oder einen Kater von der Sauferei am Vortag ohne Bismarck-Hering auskurieren muss. Ich aber, heute, bestreite beides. Bei mir wirkt ein Sucht-Potential – ich liebe Gurkensalat, und ich habe immer eine Gabel in der Hosentasche für den Fall, dass mir eine Schüssel davon in die Quere kommt. Ich kämpfe mit meiner Forke um jede Gurkenscheibe, wenn’s dumm läuft!

6 Antworten zu “755 – That’s”

      • Zugegeben, wäre chic! Ich weiss was Besseres. Junge sind flexibel. Die könnte ich flechten, einen Kranz bauen. Ein weisses Tuch auf den Kopp, das Zwiebelkränzchen darauf gesetzt, und ich sähe aus wie ein Saudi auf dem Öko-Trip!

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      • Ich fahre nicht mehr. Meine Karre habe ich verschenkt. So wurde aus Tanken das ungefährliche Tunken. Semmel in Kakao. Gemüse streifen in Dips usw.
        Soweit das eine. Das andere könnte ich mir auch gut vorstellen. Ich könnte meinen Klingelbeutel so lange in meiner Gemeinde kreisen lassen, bis er voll ist. Das hilft mir übern Monat, und zum Beschaffen eines Business-Jets.
        Was nicht geht: Beides sein. So etwas kennt man nicht, es führt zu einer Massenpsychose, und die steht unter dem Motto „Was’n das für’n Ding? Das kenn‘ ich nicht – mach’s tot!“

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