754 – Samagon

Nicht alles Russische ist von Übel. Da ist zum Beispiel der Samagon, ein Selbstgebrannter, ein simpler Hefeschnaps. Ich kenne dieses Getränk aus meiner Ukraine-Zeit. Dort sind ca. 70% aller Haushalte mit Schnapsbrennen beschäftigt.

Ich verzichte hier auf die Schilderung zu einer häuslichen Brennanlage. Man bastelt sich diese aus Altmetall. Schwierig war nur die Beschaffung eines Allhin-Kühlers, ein kleines Kunstwerk aus Glas. Der technische Rest ist kein Problem. Zur Sache: Man setzt eine Maische an aus Wasser, Hefe und Zucker. Im Kübel entsteht eine widerlich stinkende Brühe, der Zucker ist durch die Hefe zu Alkohol geworden, und der Russe nennt das dann Braga. Es gibt Leute, die nicht weitermachen und die Braga-Brühe wie Bier trinken.
Andernfalls wird die Maische gebrannt, am besten 2 x, und per Aktivkohle gefiltert. Mit Kaliumpermanganat werden letzte Trübstoffe entfernt, und nach Herstellung der Trinkstärke zieht man das Produkt auf Flaschen. Was dann folgen sollte, aber nicht muss, ist Warten. Bei mir lag eine vergessene Buddel 1 Jahr lang; die Veresterung, das ist ein Reifungsprozess war abgeschlossen, somit hatte sich auch das Aroma voll entwickeln können. Das Ergebnis: Der beste Klare, den ich je zu trinken bekam.

Später habe ich dann versehentlich meinen Kühler zerschlagen, damit war meine Moonshiner-Karriere beendet.

Heute würde ich mich doppelt strafbar machen, nämlich wegen Schwarzbrennerei und wegen Steuerhinterziehung, und dies bei Kleinstmenge unter 4 Litern Trinkbarem, das wären so 1,5 Liter reiner Alkohol.
Jaaa, der Zoll hat auch nichts anderes zu tun als schnüffelnd durch unser Dorf zu kriechen und freudig aufzujaulen wie ein Hund: „Da brennt doch schon wieder einer!“

Früher, also vor 2018 war alles besser.

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