746 – Selbstbild

Ich sitze hier in meinem Zimmer und friere. Rasch prüfe ich die Raumtemperatur, nur um festzustellen, dass an meinem Heizsystem nichts zu kritisieren ist. Es kann aber auch nicht weg diskutiert werden, dass mir Kälteschauer den Rücken rauf und runter kriechen. Ich schliesse nun das, was wie eine mausgraue Plüschjacke aussieht, weil das Teil zwei Ärmel hat. Dennoch läuft schon wieder eine kleine Kältewelle über meinen Rücken – und der ist breit. Ich habe eine Schwimmerfigur, von hinten gesehen. Meine Rückseite ist noch nicht so umgeformt wie meine Vorderseite, die mehr zum Ideal für Schlachthöfe geeignet ist und als solches von derartigen Betrieben aus mir unerfindlichen Gründen abgelehnt wird.

Das trifft mich keinesfalls. Eine halbe Bio-Sau als Honorar wäre zwar willkommen gewesen, aber wenn es sein muss, kann ich sie mir auch kaufen.

Vor vielen Jahen habe ich es zusammen mit einem Freund ausprobiert. Alles klappte wunderbar, nur ….. seine Küche war danach so schmutzig, dass ein Cleaner kommen musste. Alle Möbel der Küche sowie der Fussboden waren so eingefettet, dass ein Profi mit seiner chemischen Keule kommen musste. Zuletzt ging dann doch alles kostengünstig, wohl aber in übel aufgeladener Atmosphäre über die Bühne. Die Profi hiess Ulrike, und es war eigentlich ihre Küche, die wir niedergemacht hatten. Leider wollte der Hinweis auf die hervorragende Qualität unserer Leberwurst nicht so recht als Friedensbringer wirken.

That’s life. Nur wird’s manchmal etwas deftig. Oder man kriegt gar schlechte Karten, und das Schicksal spielt mit uns Ball. Ausgerechnet Fussball. Nur weil die Sülze von einem halben Schwein nicht fest werden wollte und schliesslich als ostpreussische Suppe endete, so richtig mit Schwarte, Pansen, Ohren und ähnlichem drin. Königsberger Fleck enthält nur Kutteln, das ist eigentlich Pansen vom Rind – egal. Was in die Wurst kann, ist auch für Suppe gut (die nicht Sülze werden wollte).

Wie bitte? Was mit Blutwurst war? Nichts war damit. Der Schlachter hatte alles Blut abgelassen und selbst verwertet. Das war ein kluger Schachzug. Ich habe als Kind beim Dorf-Schlachter Blut gerührt, damit es nicht gerinnt, und mit Schweine-Augen nach Passanten geworfen. Ich hatte gelernt, dass Blut in die Hände von Profis gehört.


An einem Schlachttag war ich wohl sehr aufgedreht, hatte wieder einen Job am Blutkübel angenommen, und kam blutüberströmt nach Hause.
Sah wohl aus, als wäre ich in einen Rübenhäcksler geraten.
Meine Mutter konnte mich zwar ums Verrecken nicht ausstehen, aber diesmal war es zu viel für sie. Eine halbe Strasse konnte die Nachtigall schlagen hören!
So viel zu meiner Erfahrung mit dem Blutwurst machen. Aber halt mal den Gaul an. Stell‘ Dir vor: 1 Scheibe Blutwurst, 1 bis 1,5 cm dick, 10 cm im Durchmesser, auch Blunzen genannt und ohne Grieben wird in einer Pfanne beidseitig angebraten und auf einen kleinen Berg Stampfkartoffeln, gelegt. Dazu gibt es einen bunten Salat. Ich sage es mit Nachdruck: Wenn die Blunzen gut gewürzt und nicht versalzen ist (Du weisst, Fabrikware, Nitratsalz zur Konservierung – lauf weg!) also wenn alles koscher ist, hast Du eine wirklich leckere Mahlzeit vor Dir stehen.
Nicht zu vergessen: Ein gutes Bier passt immer dazu, nein, es ist Pflicht.

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