745 – Geld

Der Hamster legt Futtervorräte für seine Krisenzeit an, den Winter. Das wird auch vom Menschen praktiziert, wie wir es zur Zeit wieder einmal erleben. Mehl und Sonnenblumenöl sind ausverkauft, und in der Küche muss man sich mit Rapsöl schinden. Immerhin kann man einen Zusammenhang zum Ukraine-Krieg erkennen. Das lindert den Schmerz – bis man beim Bäcker 6 Brötchen kaufen will. Plötzlich zahlt man für eine Semmel, die überteuert schon 50 Cent kostete, neuerdings 60 Cent. Ja, so sagt man, das wäre eine Folge der Ukraine-Krise.

Im Schädel rattern die Zahnräder, sie baggern in den Erinnerungen, und werden fündig. Der Materialanteil am Brötchenpreis liegt bei 5 Cent, wird da behauptet. Ich muss das überprüfen.

Für ein Kilogramm Mehl zahle ich 1,50 oiro. Der Bäcker zahlt weniger, aber das vergesse ich mal. Wieviele Brötchen bringen mir 1000 Gramm? Es sind – grosszügig gerechnet – 20. Die kosten also 1,50 oiro. Der Mehlanteil am Verkaufspreis liegt bei 7,5 Cent. Nun verteuert sich das Mehl um 50%, das macht dann plus 3,75 Cent Cent pro Semmel. Der Bäcker hat um 10 Cent verteuert. Alles klar?

Nichts ist klar. Da sind die Kosten für die Brötchen-Chemie, für Energie, für Verkaufspersonal, evtl. Ladenmiete und so fort. Schliesslich ist da noch der Bäcker, der sein tägliches Brot in seiner eigenen Backstube verdienen muss.

Aber es gibt eine zweite Realität. Grossfilialisten kaufen Teiglinge in Billiglohnländern. Dort kostet alles nur die Hälfte. Man leistet sichdie Kosten für Logistik und Backautomaten, und schon hat der Kunde polnische Semmeln von schlechter Qualität auf dem Frühstückstisch;
der Großfilialist hat dagegen seinen Gewinn vermutlich verdoppelt.

Nun lasse ich hier tatsächlich den Pfennigfuchser raushängen. Als ich zu schreiben begann, hatte ich ein ganz anderes Ziel im Visier, bin aber über denm Brötchenpreis gefallen, und dies, obwohl ich keine Brötchen mag, genauer gesagt das, was wie eines aussieht, aber nicht wie eines schmeckt. Junge Menschen werden mich nie verstehen können. Um beim Bild zu bleiben: Vor 70 Jahren war auch der Bäcker noch ein Handwerker mit Berufsehre, und das hat die Qualität der Produkte bestimmt. Von dem Backautomaten bei REWE darf man das nicht erwarten. Und der Teig-Kneter in Polen muss billig, nicht gut produzieren.

Is ja gut! Ich gehe.

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