741 – Trostlos

Heute ist ein stiller Tag.
Ich bin leise, sehr leise.
Mein Atem stört nicht,
nicht meine Andacht,
die sich nicht an einen Gott wendet,
sondern an das Bild,
das sich mir bietet,
wenn ich aus meinem Fenster blicke
und erkenne,
wie eine neue Welt entsteht,
mit einem freundlichen Gesicht,
bunter als die Welt von gestern,
bereit, geliebt zu werden.
Dieser Tag, der Stille
fordert, beachtet zu werden
und geachtet für seinen Kampf
gegen hässliche Fratzen
mit ihrer unsäglichen,
zerstörerischen Kraft
und einem Glauben,
der Gutes sagt und Böses meint.
Heute ist ein Frühlingstag,
bilderbuch-gleich,
und durchaus liebenswert.
Man ist geneigt, den Blick zu senken
und die ersten Boten des Lebens
und des Lichts zu begrüssen.
Und man sieht nicht mehr, was kommt,
diese dunkle Wolkenwand am Horizont.
Vielleicht ist die Stille des Heute
Vorbote für den Untergang,
für endgültige Zerstörung von allem,
was uns lieb und wichtig erscheint.
Die Fratzen gewinnen immer.
Wir wissen das,
denn sie zeigen nur unsere dunkle Seite.
Am Ende stehen wir stolz auf Ruinen
und reden eifrig über neue Pläne,
aber nie über alte Fehler.
Vielleicht wird alles manders,
aber niemals gut.
Die Fratze des Bösen in uns
siegt immer.

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