733 – Morgenandacht

„Euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott!“

Es war heute früh, ziemlich genau um 7:30 Uhr, als ich im TV nach neuen Nachrichten aus dem Ukraine-Konflikt suchte und beim Zappen auf einen Sender stiess, der diese Botschaft mit viel Verve in die Welt posaunte.

Ich habe rasch weitergeschaltet. Aber die Botschaft hat sich in meinem Gedächtnis festgesetzt. Dies bereitet mir ein wenig Sorge. Es kann nicht sein, dass ich den Vornamen unseres Bundes-Olaf vergesse, und ein Haufen Hundekot an mir klebt, als wäre ich ein Wanderstiefel auf einem Städtetrip.

Nun lies nochmal Zeile 1. Hast Du? Gut.

„Ich hol mir jetzt Kaffee.“ Die Worte zu diesem Satz liegen leicht abgreifbar in der Luft, die Satz-Struktur ist schlicht, und so etwas zu sagen ist alltäglicher Sprachgebrauch, ist hochwirksam, aber in seiner Bedeutungslosigkeit nicht mal in einem Versandhauskatalog verwendbar.
Jede Wette: An dem Spruch in Zeile 1 hat einer eine Woche lang herumgeschraubt. Ziel war, Unverständliches herzustellen und in die Welt der Gläubigen zu schmettern. „Hört, Ihr Würmer, was ich Euch verkünde!“ Dann rammt der Prediger dem Zuhörer diesen Klops ins Hirn, und er antwortest prompt mit „Hä?“

Irgendwann ist der Spuk vorbei, aber nicht beim Zuhörer. Der grübelt stundenlang auf der Suche nach dem Sinn des Gehörten, bewundert die Eleganz und die esoterische Wirkung des Gesagten, vermutet Quellen in der antiken Philosophie und so fort – kurz: Er hängt wieder mal am Haken eines Fischers. Ziel erreicht.

%d Bloggern gefällt das: