732 – Legasthenie

Meine Situation wird allmählich immer bedrohlicher, sie macht mir Angst. Der Grund: Ich habe einen neuen Klops geschluckt, der schwer zu verdauen ist. Tatsächlich war mir nicht bekannt, dass man mit zunehmendem Alter an Lese mschwäche erkranken kann; man wird dann zum Legastheniker, wie ein 6-jähriges Kind. Bei ihm hilft oft eine Brille – bei mir n icht. Ich trage eine solche seit Jahrzehnten täglich bis zu 19 Stunden lang.

Dennoch, also mit Seh-Hilfe lese ich“furchtbar“ statt „fruchtbar“. Plage mich mit der Aussage einer Formulierung, weil sie so keinen Sinn ergibt. Dann werfe ich meine Zeitung in die Ecke und verhänge über den Redakteur einen deftigen Voodoo-Fluch. Und während der arme Kerl nicht mehr vom Klo runterkommt, befallen mich Zweifel. Ich hole das Käseblatt zurück und lese nochmals. Skrupellos, wie ich nun mal sein kann, lasse ich den Redakteur sitzen, wo er gerade sitzt. Ich habe ein Foto dieses Mannes gesehen. Er muss ohnehin abnehmen.

Ein ganz anderer Fall von Sprachverwirrung wurde aus Oberammergau bekannt. Bei einer Probe zum Passionsspiel hatte man den Jesus ans Kreuz gebunden und vergessen. Er schrie um Hilfe, weil er wie ein Affe fror. Man wollte ihm einen heissen Tee bringen und einflössen, woraufhin er noch lauter brüllte. Erst mit Weinbrand war der Frieden auf der Bühne wieder herzustellen. Nun, irgendwann war er mit Text dran. Er hatte wochenlang gelernt, um es sagen zu können: „Es ist vollbracht.“ Aber der billige Weinbrand hat seine Tücken. So brüllte Jesus vom Kreuz runter: „Es ist prachtvoll!“ Man hat ihn umgehend vom Kreuz runtergeschnitten und nach Hause geschickt. Die Theaterprobe wurde unterbrochen, weil man mit dem bayrischenh Statistenvolk nicht mehr arbeiten konnte.
Maria Magdalena wollte sich ausziehen und unbedingt unter dem Kreuz schnackseln, und der Jünger Paulus hatte sich vor Lachen in die biblische Windel gekackt. Als das die Runde machte, war der Nachmittag gelaufen und man traf sich im Gasthof Zur Rose, um diesen denkwürdigen Tag angemessen ausklingen zu lassen.
So haben die Bayern der Welt gezeigt, wie man eine Krise mit Anstand bewältigt.

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