729 – Nabelschau

Es geschieht nicht häufig, aber ab und zu frage ich mich kritisch, was ich hier in meinem „Blog“ eigentlich treibe. Meine Vorliebe, über die Politik zu lästern, hat ihre Quelle vermutlich in der Tatsache, dass ich politisch vergiftet bin. Wenn dies so zuträfe, gäbe es keinen Schuldigen zu suchen. Wenn ich wissen wollte, wer mich so sehr verdorben hat – mir fällt kein Mensch meines Umfelds ein. Es hätte eh nicht funktioniert, denn:

Ich bin weitgehend immun gegen Indoktrination – aber nicht gegen Rebellion. Ich war eben mal 18 jahre alt, als ich meinen ersten Job hingeschmissen habe. Ich hatte festgestellt, wie das Business läuft, und wollte das nicht mittragen. Chef 1 zu Chef 2: Schon gehört? Der Risch hat gekündigt! Leider. Und Gott sei Dank! Zugegeben, es hat Jahre gedauert, bis ich begriff: Chef 1 hat mir einen Orden umgehängt – auch mit seinem Gott sei Dank. Ich war, was ich damals sein wollte: Gift für das System. Ich kann Chef 1 gut verstehen. Vermutlich hat er mich als Kotzbrocken erlebt, und den Rüssel gestrichen voll gehabt.

Aber man entwickelt sich weiter. Ich gewäöhnte mir die mit der Rebellion verknüpften Kraftmeierei ab und wurde insgesamt smooth, aber nie zahm, und damit sozialverträglicher. Damit verbindet sich ein anderer Selbstgänger: Weniger Polemik, mehr Sachlichkeit. Aber meine Vorliebe für Streitgespräche war nicht wegzuerziehen. Darunter leide ich heute noch. Das ist nicht gut, denn es fehlen mir die Gegner. Die Chats im Netz? Ein guter Witz. Lieber trinke ich aus der Kloschüssel!

Ich verliere mich schon wider in Details. Tut mir leid.

Ich komme zu der Frage, warum ich überhaupt auf relativ extensive Weise meine Meinung zur Politik de Gegenwart verbreite.

Ist es nutzlos? Klar.
Ist es Besserwisserei? Ja.
Ist es Sendungsbewusstsein? Nein.
Ist es Angeberei, Belehrung? Nein.

Aber was ist’s, das mich dazu treibt?

Ich weiss, dass in DE die Medien lügen. Das geschieht durch Nicht informieren, durch Halbwahrheiten und durch Lügen. Priorität in dieser Reihenfolge! Ich zahle dafür monatlich eine Gebühr ….. und das macht mich wütend.

Beim Schreiben werde ich sachlicher, und ich fahre ein wenig runter. Schreiben über politische Missstände ist Hygiene.

Ich suche, und finde oft Zusammenhänge, die nicht offenkundig sind. Das macht die Geschichten interessanter.

W., meine Tochter ist intelligenter als ich. Zudem baue ich ab. Das ist meinem Alter geschuldet. Aber W. ist ein wenig wie ich strukturiert. Man ergänzt sich, oder vergleicht, sichert die Meinungsbildung auf diese Weise ab – für mich ein angenehmer Zeitvertreib. Nur Allwissenheit klappt nicht. Auch nicht zu zweit. Find ich nicht gut.

Und letztlich ist die Beschäftigung mit politischen Themen auch Jogging für das Hirn. Hierzu gönne ich mir etwas Polemik: Ich habe 4 lange Jahre Alzheimer erlebt, und ich weiss, eine Atombombe aufs Dach ist angenehmer.

Wenn ich versehentlich einen meiner Texte lese, fällt mir auf:

Inhalt ok.
Schreibstil ist Mist.
Tippfehler sind überflüssig.

Die Sache mit dem Stil juckt mich auf unangenehme Weise. Hast Du je eine eisen-bereifte Karre über ein Katzenkopf-Pflaster gezogen? Ich ja.
Ich schreibe, wie sich das anhört. Meine Karre rumpelt durch ein Thema, und ich sitze hier und klage. Ich kanns halt nicht besser. Aber ich könnte probieren, besser zu werden. Zuzm Beispiel die saloppe Ausdrucksweise unterlassen. Vermutlich kann ich einen Text so lange kastrieren, bis er zu gepflegter Ausdrucksweise geronnen und damit stinklangweilig geworden ist.

Der Schiedsrichter in mir pfeift: Ich stehe schon wieder im Abseits! Macht nichts. Das Spiel ist ohnehin zu Ende. Hör auf zu flöten, Du Pfeife!

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