721 – weißnicht

Man kann desorientiert und gelangweilt durch sein eigenes, kleines Universum treiben und dabei so überflüssig sein wie ein Furunkel am Hintern. Ich selbst kenne diesen Zustand, und darum weiss ich, wie sehr man dann leiden kann.

Solche Durchhänger, man mag sie auch depressive Episoden nennen, gedeihen auf krankem Wurzelwerk, für dessen Heilung keine Pille verfügbar ist. Am ehesten gleicht man einem Alkoholiker. Im Frühstadium schafft man sich mit eisernem Willen ein Bollwerk und lernt, gegen den Feind zu bestehen.

Ich bin froh, dass mir das gelungen ist. 15 bis 30 Minuten – dann ist für mich Schluss mit dem Herumlungern. Mein Trick 1: Dann bin ich anderswo, also nicht mehr bei mir. Trick 2: Dort, wo ich nun bin, tief eintauchen in eine scheinbar fremde Welt. Und Trick 3: Irgendwas schaffen und das zu einem guten Ende bringen. Hintendran muss ein Erfolgserlebnis stehen. Ich brauche einen ordnungsgemässen Abschluss, nur für mich, nicht für andere. Dann kann ich zu mir selbst zurück kommen und mal nachschauen, wie dort die Stimmung ist.

Manchmal finde ich sie überhaupt nicht. Dann, wie im Falle schlechter Laune ist wieder Trick 1 angesagt. So geschieht es gelegentlich, aber nicht häufig. Wenn, wie es sich gehört, die Sonne wieder scheint, gehe ich vielleicht zu einem Kochversuch in die Küche, oder ich putze die Toilette.

So – also aus Verlegenheit – ist auch dieser kleine Text zustande gekommen, den Du hier gerade gelesen hast. Ich möchte nicht falsch verstanden werden – es ist keine Empfehlung. Jeder muss sich Wege aus grossen oder auch kleinen Krisen selbst suchen. Es führen viele Wege nach Rom.

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