708 – Frühling

Wenn ich mich recht erinnere, ist der Frühling eine Jahreszeit. Der Frischling dagegen ist eine kleine Wildsau, Mama Wildsau’s Kind. Ein Rohling ist einer, der nicht gekocht wurde. Der Fäustling haut vermutlich zu. Über den Fremdling weiss ich nichts. Der Sonderlinmg ist besolnders anders al der ganze est, und diew Regelung ist eine Missgeburt, wie alle, die mit Lungen ausgestattet sind, der Pandalung sei meinetwegen ausgenommen.

Ich weiss nicht, was derzeit mit mit los ist. Ich bin in die Semantik hineingefallen wie in eine Pfütze Regenwasser. Nun liege ich drin und fange an, die Wassertropfen zu zählen. Das ist weiss Gott nicht gut. Eigentlich wollte ich mich mal über das berühmteste Frühlingsgedicht von Goethe hermachen, obschon es aus der Feder von Eduard von Möricke (1804 bis 1875) stammt. Nein, die Feder war’s auch nicht! Es kam aus Mörickes Kopf, floss über den Arm und die rechte Hand in die Tinte an der Feder. Man sollte, wo immer möglich, historisch korrekt bleiben. Manche Leute werfen alles durcheinander, betrachten sich ihr Machwerk, und glauben sich dann selbst nicht mehr.

Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern duch die Lüfte …..

das ist doch Unsinn. Gelbe an Bäumen – das kennt man.
Blau-gelb ist derzeit sehr in Mode gekommen.
Aber Blau? Wozu?
Und welche der Lüfte ist hier gefragt? Die über dem Chemieriesen BASF in Ludwigshafen, oder die über Helgoland?

Süsse, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.

Vanillin, das künstliche Vanille-Aroma wurde erst im Jahr 1874 erfunden, für Herrn von Möricke war das zu spät. Was zum Teufel hat er gerochen? Etwa Kuhstall? Quatsch. Er hatte wohl den guten Geruch vom Schweinebraten in der Nase, und wenns schlimm kam, mit einem Hauch Veilchenduft, denn

Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen

wie bei uns. Sie wachsen neben der Garagenauffahrt. Neulich ist der Pflegedienst drübergefahren. Aus der Traum, so platt, die die jetzt sind

Horch von fern, ein leiser Hafenton –

damit lag er richtig. Das sagenhafte Auto der Marke Horch sieht man nur von fern; diese Vehikel sind sehr selten auf der Strasse. Und den leisen Hafenton kennen und lieben die Hamburger, allerdings ganzjährig.

Frühling, ja Du bist’s,
Dich hab ich vernommen.

Vermutlich ein Schreibfehler. Gemeint ist Frühling, ja, Du Biest. Nach einem langen Winter drei Monate Sauwetter à l’avril – das muss man erst mal wegstecken. Was Möricke gehört hat? Völlig klar! Er hörte das Gras wachsen. Sonst nichts. Selbst die Narzissen kommen nicht mit Gepolter aus der Erde geschossen, sondern ganz, ganz stickum.

Zugegeben, ich schreibe hier einen fiesen Kommentar, der dem kleinen Gedicht die Poesie nehmen könnte ….. würde ….. wenn so einer wie ich sich drüber hermacht. Ich schließe ohnehin die Haustür ab.

Beweis
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