695 – Ukraine

Wenn ich die Lage richtig einschätze, ist im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg jeglicher Humor verboten. Statt dessen ist tiefe Betroffenheit angesagt. Wer Witze macht, steht offen auf der Seite des Agressors. Offene Betroffenheit, ernsthaft oder gespielt, gehört ohne weitere Prüfung zum Bündnis Galgenhumor ist immer ein Ventil für persönlichen Frust der Gutmenschen, während die Bösmenschen der Wildsau im Schlammloch gleichend in ihrem abartigen Humor buchstäblich schwelgen.

Was ist nun lustig am Ukraine-Konflikt? Ein Beispiel:

Man glaubt es nicht, aber eine Pressemeldung besagt, Putin sei unauffindbar. Zumindest ist er im Kreml nicht mehr zu sehen. Man vermutet ihn in einem atomsicheren Bunker im Ural.
Aus gutem Grund. Einer der superreichen Russen soll auf seinen Kopf eine Million Dollars gesetzt haben.

Nehmen wir mal an, die Meldung sei wahr. Dann haben wir zu registrieren, dass Selenskyi, der Ukrainer keine Gelegenheit auslässt, sich zu zeigen, zu appellieren, zu seinen Bürgern zu stehen und Mut zu machen – während Putin sich als feiges Ferkel erweist und sich in Sicherheit gebracht hat.

Ist das nun lustig, oder ist’s lustig?

Es ist korrekt, zu erwähnen, dass es sich hier um eine Zeitungsente handelt. Jedenfalls ist er nicht mehr präsent.

Übrigens:
Man sollte wissen, dass der Mensch auf verschiedenen Ebenen denkt. Ich kann durchaus Witze über einen Krieg machen und gleichzeitig trauern, wenn eine Stadt wie Kiew zerbombt, wenn Bürger getötet werden usw.
E$s ist nur Technik, wenn man zwischen den Ebenen hin und her schaltet und darauf achtet, dass sich nichts vermischt, wie man das bei schlichten Gemütern beobachtet, und die deshalb die Welt nicht verstehen. Sie sind, was ich abfällig als „dämlich“ bezeichne.

Ein kurioses Muster:
„In mir schlägt eben das Herz einer Dichterin.“
Ich finde es peinlich, sich auf diese Weise zu produzieren.
Aber im selben Beitrag kritisiert die Dichterin die staatlichen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise und macht „Freiheit“ geltend.
Mich packt die kalte Wut.
Ich kommentiere – zugegeben deftig, also unmissverständlich. Natürlich findet meine Kritik nicht die Spur von Zustimmung.
Mein Kommentar wird gelöscht. Ist so ok. Dann kommt die Begründung für das Löschen:
„Ein untergriffiger Kommentar der jeder Grundlage entbehrt.“
Ich wollte laut lachen, es ging aber nicht. Warum?
Ich hatte ein Exemplar Mensch zu fassen, das im Bewusstsein eigener Größe das Selbst-Denken nicht nötig hat. Man lässt denken. Und Kant rotiert in seinem Grab!
Und nun werde ich mal ganz garstig (das bin ich auch!):
Die menschliche Gemeinschaft braucht solche Typen so nötig wie Bettwanzen!
Nein, nicht wegen des Spruchs gegen mich, sondern weil sie einfach nicht raffen, was zur Bekämpfung einer Pandemie, die Millionen Menschenleben kostet, absolut notwendig ist, obwohl – oder weil? – man es ihnen endlos predigt und ihnen erfolglos zuredet wie einem kranken Gaul. Als Antwort auf Ansprachen halten sie Dir Schilder unter die Nase, die sie als Kämpfer für Freiheit und Demokratie ausweisen sollen. Für mich liegt dabei der Tatbestand von Körperverletzung vor. Diese seltsamen Menschen gehen tatsächlich mit Leichen hausieren!

Und nun schalte ich um, auf jene Ebene, wo ich friedlich vor mich hin trudele. Es ist meine Ebene für einen kranken Gaul zum Ausleben von Hedonismus, so gut wie es noch geht.

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