689 – Krieg

Man mag es nicht glauben, aber Russland hat sich mit seinem Eroberungskrieg gegen die Ukraine und mit weiteren Unverschämtheiten gegenüber neutralen Staaten wie Finnland und Schweden aus der Völkergemeinschaft abgemeldet, um das Machtgehabe von Potentaten aus dem 19. Jahrhundert auszuleben.

Europa und andere Staaten haben diesen Weg Russlands nun vervollständigt. Wer sich abmeldet, ist draussen, und zwar so komplett wie irgend möglich.

Russland hat sich nicht nur als macht- und kriegslüstern geoutet und damit alle Sympathien weltweit verspielt. Nein, in der jetzigen Verfassung ist dieses Land zum Rest der Welt nicht kompatibel. Wir leben nicht im 19., sondern im 21. Jahrhundert.

Es ist nicht transparent, wer und was die russische Regierung zu dem drastischen Vorgehen gegen die Ukraine bewogen hat. Vermuten kann man vieles, wissen kann man nichts. Aber Russland hätte auch einen positiv gestalteten Weg gehen können, um die Ukraine für sich einzunehmen und dort Sympathien zu generieren.

Europa rückt nun zusammen. Die NATO kommt gestärkt aus der Konfliktsituation. Russsland hat einen Rufschaden erlitten, der in Jahrzehnten nicht abgebaut wird. Mit der Drohung, Atomwaffen einzusetzen, um souveräne Staaten gefügig zu machen, setzt man dem Ganzen die Krone auf und offenbart zugleich die eigene Schwäche. Welch ein Erfolg!

Mit Kurzstrecken-Raketen Wohnhäuser erlegen deutet auf reine Lust am Zerstören hin. Man zerstört Wohnraum, und die Zuversicht der Bewohner, sofern sie nicht ums Leben kommen. Derartige Handlungen sind verbrecherisch und ein Fall für den Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Putin meint, mit seinem Atomwaffenarsenal die USA und Europa pulverisieren zu können. Das mag so sein. Aber er redet nicht darüber, dass auch Russland nicht mehr existieren wird. Die Träger goldener Portepées der USA möchten auch gerne einige gefährliche Knöpfchen drücken. Die hier zutage tretende Geisteshaltung entspricht exakt der von 4-jährigen im Sandkasten, wenns um das blaue Schäufelchen geht.

Nebenbei bemerkt: Im 2. Weltkrieg waren es Russen, die Teile von Kiew platt gemacht haben. Deutsche Soldaten haben als Kriegsgefangene am Wiederaufbau mitgearbeitet. Dies erzählte mir ein alter Ukrainer.

Überhaupt: Ich habe in den Jahren 1995/1996 in Kiew gelebt und gearbeitet. Meine Erfahrungen ausserhalb des Jobs sind überwiegend negativ geprägt. Ich mochte diese Stadt nicht besonders. Das heutige Kiew kenne ich natürlich nicht.
Aber wie auch immer ich zu dieser Stadt stehe resp. stand: Die Bilder der Zerstörung gehen mir an die Nieren. Ich bin traurig, und ich denke oft an jene Kollegen, die mir wohlgesonnen waren.

Rudi Ratlos
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