681 – Post

Es macht wenig Sinn, dem Postboten eine reinzuhauen. Dafür wird er nicht entlohnt. Dennoch ist er im Spiel. Er ist es, der mir schon wieder ein Paket durch die Tür in den Flur schiebt, und umgehend die Flucht ergreift. Ich stehe da, schaue hin, registrierte, dass Amazon schon wieder lästig wird. Ich weiss, was in dem Paket steckt.
In diesem Riesen-Teil. Eine Kloschüssel würde reinpassen, aber es sind nur zwei Päckchen Kaffee drin, und ich bleibe auf einem Berg Karton sitzen. Beim Grübeln packt mich plötzlich eine kalte Wut, und ich möchte auf den Karton eintreten, bis er sich vor Schmerzen von selbst öffnet, also, um es deutlich zu sagen, bis er krepiert – nur: Auch er ist unschuldig und wurde missbraucht; es ist eine Vergewaltigung im Materialbereich, und ich, der Kunde bezahle noch dafür. Fällt es auf? Da ist der wahre Schuldige, der wegen körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, sich selbst in den Hintern zu treten. Jaaa, ich bin’s. Und ich fühle, dass ich dennoch unschuldig bin. Es ist mein Weg, mich mit dem Nötigen zu versorgen, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

So. Wenn Du es bis hierher mit dem Lesen geschafft hast: Es ist ein Stückchen, eine Kostprobe für das allseits so beliebte Dampf-Plaudern. Man dürfte mit Recht sagen, Alter, da hast Du echten Stuss zusammengeschrieben. Warum tue ich das? Weils mir Spass macht. Und weil es nachweist, dass ich noch lebe. Eine kleine Provokation – ich weiss, sie wird vom Wind davon getragen wie ein Fur ….. ich höre schon auf!

Auslöser meiner Unmutsäußerung ist das Päckchen eines Juweliers, ein Karton mit 30x30x20 cm Grösse, und der Inhalt war meine neue Armbanduhr. Das muss man sich mal vorstellen! Vermutlich sind kleine Kartons teurer als große. Ich rufe mich zur Ordnung. Think positive! Sie hätten auch einen Karton benutzen können, in welchen ein Elektromäher passt, und den luftigen Leerraum im Karton mit Holzwolle füllen. Und ich hätte wühlen müssen wie ein Hamster, um die Uhr zu finden. Nein, das kriegten sie nun doch nicht hin. Da ist wohl eine Hemmschwelle gesetzt.

Jesus, das Dampfgeplauder geht weiter! Was ist nur heute mit mir los?
Ich vermute, die neue Uhr ist schuld. Da wirkt wohl so etwas wie eine latente Freude! Ich gestehe gerne, ein Uhren-Fetischist zu sein. Die Neue (Prioritäten nach Wichtigkeit geordnet):


Sie Läuft. Die Omega steht schon wieder.
Ich spüre sie am Handgelenk.
Farbe und Material wie bei der Omega.
Ist mit 200 oiro preiswert.
Kein Schnickschnack reingebaut.

Meine Tochtert meinte, die Neue sähe aus wie ein Nachbau einer Omega – viel Ahnung hat sie nicht. Sie, die Uhr sieht ein wenig aus wie eine Breitling. Das stört mich ein wenig. Breitlinge dieses Formats kosten so um 3 – 4.000 oiro. Ist nicht meine Welt. Bin in der unteren Mittelklasse zu Hause. Für den Notfall habe ich ein gleichartiges 30-oiro-Exemplar in der Schublade liegen; selbst diese Billig-Huddel läuft zuverlässig. Die Omega nicht. Ich liege im Bett, werde wach und blicke zum Fenster – strahlender Sonnenschein. Ich blicke auf meine Omega – 4 Uhr 32. Mein Kopf kommt ins Schleudern. Wo verdammt ist die Dunkelheit geblieben? Dann klärt es sich oben drin, und ich weiss: Der Wecker macht schon wieder schlapp, kostet mindestens 700 oiro. So beginne ich meinen Tag mit schlechter Laune. Schliesslich liegt die Oberklasse kaputt in einer Ecke meiner Kommode; ich kann sie anschauen, und wiegen. Mehr nicht.

Nun erinnere ich, dass meine Alte, sie ist nun 25 jahre alt, sauteuer war. Also ist nicht sie, sondern die Zeit schuld. Sie weigert sich beharrlich, den Vorgaben meiner Uhr Folge zu leisten. Und ich stehe machtlos vis à vis.

Es gibt Porsche-Uhren, sicherlich auch rüttelfeste Fendt-Watches für Bauern, die einen Fendt-Trecker fahren – also kann ich beruhigt eine Maserati tragen. Die Neue hat auf der 12-Uhr-Position den Dreizack des Neptun, entliehen von dem Neptun-Denkmal in Bologna. Ich weiss nicht. wo sie gefertigt wurde – sicher nicht bei Maserati; die können nur schöne und schnelle Autos.

Nun ist genug gesülzt.
Basta!

Denkste. Ich kanns mir nicht verkneifen: Amazon teilt mir mit, dass ich Post im Briefkasten habe, tatsächlich in der Blechbüchse an der Hauswand um die Ecke! Schöne neue Welt! Demnächst wird man mir mitteilen, wann ich am Porzellan im Badezimmer andocken soll. Spätestens dann ist Schluss mit der Computerei, und ich greife zu meinen ungelesenen Büchern. Es sind noch 34 Stück, Fachliteratur und Belletristik. Derzeit bringt mir Selberschreiben mehr Spass als „Rüstung und Frieden“ (Buch eines Schulfreunds). Zweiter Versuch:


Basta!

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