676 – Eiertanz

Der Lebensweg eines Menschen prägt seine Sichtweise für Gegenwart und Zukunft. So denke ich. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich mich mit dunklen Bildern wohlfühle, und die hellen meinem Weg durch die Zeit ein falsches Licht bieten.

Nein, dies ist kein Bekenntnis zum Negativen. Meine emotionale Seite ist bei solcher Betrachtung eher ausgeschaltet ….. falsch. Ich meine eher niedrig gelegt, und der Verstand versucht sich mit einem hohen Anspruch an der Bewertung der Schatten. Ja, das ist ein wenig kompliziert gedacht. Ich treffe von hinten durch die Brust ins Auge. Moment noch, ich kanns am Beispiel erklären: Die Schattenseite meines Lebens ist weitaus interessanter als die sonnige. Wenn ich alles Wünschenswerte habe, wird’s langweilig. Dagegen muss ich kämpfen, wenn sich Defizite bemerkbar machen. Wünsche treiben mich voran bis hinein in Abenteuer, in Spiele, die ich gewinnen oder verlieren kann.

Die Musik, nach der wir tanzen, steckt nicht in Geldscheinen, sondern in leeren Geldbörsen.

Nun ist damit nicht gesagt, dass ich die negative Seite meines Lebens liebe, dass sie für mich uverzichtbar sei. Im Gegenteil. In diesem Punkt bin ich völlig normal strukturiert. Wieso? Es sind die Emotionen, die auch an mir herumbiegen. Auch ich habe ein Vokabular zur Hand, mit dem ich Pleiten, Pech und Pannen „beschreibe“, und das ist nicht vom Feinsten.

Zu allem Unglück muss ich akzeptieren, dass – je nach Wert ind Wichtigkeit – bei einem Missgeschick die Gefühle Oberhand gewinnen. Aber ich lasse ungern den Verstand ganz aus dem Spiel. Damit entstehen akzeptable Situationen. Beispiel: Ich besass über ein halbes Jahrhundert eine riesige gläserne Salatschüssel. Vor einem jahr „ging sie kaputt“. Erst folgte das Übliche, also Schreck, Schock und Sch …..se, dann erst ging ein Lämpchen an. Rege Dich ab, Du hast das Ding nie wirklich gemocht! Tatsächlich mag ich keine Salatschüssel aus Glas, die irgendwann bis zum Rand vollgeschmiert ist mit Joghurtdressing.

Was war also geschehen? Der Verstand hat das Problem entschärft. Fit gemacht für ein vernünftiges Handling der Lage. Hier: 3 Minuten Aufwand, um eine weisse Schüssel von Villeroy und Boch zu ordern. Okay. Plus 20 Minuten, um den bunten Salat vom Fussboden zu kratzen und ihn plus Scherben zu entsorgen.

Ich stelle fest, ein wenig aus der Spur geraten zu sein; eigentlich wollte ich hier ein Rezept für Rhabarberkuchen schreiben. Wie manch andere eiere auch ich durch das Leben und muss die Kollateralschäden hinnehmen.
Glück und Unglück würzen das Dasein. Ohne diese Zutaten wäre ich nicht mehr als eine ungeöffnete Dose Hühnerbrühe vom Wiesenhof (übelst!) mit Haltbarkeitsdatum 12/2034.

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