667 – Rundblick

Es ist kaum zu begreifen, wie sehr das menschliche Gehirn im Alterungsprozess an Leistungsfähigkeit verlieren kann. Man gewinnt den Eindruck, dass irgendwo unter der Schädeldecke ein Etikett sitzt, das ein Haltbarkeitsdatum ausweist; geboren im Jahr 1940 – haltbar bis 02/2015. Überhaupt: Viele Körperteile sind nicht so robust, dass sie das künstlich verlängerte Altern schadlos überstehen könnten. Der Körper nutzt sich ab wie ein Autoreifen. Aber wenn das Profil fehlt, fahren wir auf der Karkasse weiter.
Ein grandioser Erfolg der modernen Medizin – sie pfuscht der Natur ins Handwerk!

Jaaa, fragst Du vielleicht, was hat er jetzt schon wieder zu meckern, er sollte doch froh sein, dassb er noch ein Jährchen dranhängen darf ….. ist ja nicht falsch. Als Individuum muss ich so egoistisch denken. Als ein Rädchen im System einer grossen Gemeinschaft sehe ich das anders. Die soziale Komponente unserer Gesellschaft muss mich finanzieren. Und ich bin sauteuer!

Gestern abend sollte ich mich daran erinnern, was ist gestern zu Mittag gegessen habe. Ich hatte es vergessen.Es brauchte 12 Stunden, bis die Erinnerung wieder funktionierte. Das ist nicht akzeptabel, denn diese mittagsmahlzeit war für mich etwas Besonderes. Meine Bratwurst war überraschend gut, aber halt alltäglich. Dazu hatte ich mir Kopfsalat zubereitet, weil ich dieses Grünzeug zuletzt vor ca. 60 Jahren gegessen habe und mich an den Geschmack nicht erinnern konnte. Zugegeben, es ist ein wenig seltsam, via Kopfsalat in die Vergangenheit zu reisen. Aber nicht für mich.

Der Salattest war ein voller Erfolg; ich habe ein geteiltes Ergebnis. Gut war, dass ich mich an meine Kinderzeit erinnerte. Meine Mutter hatte ein Faible für Kopüfsalat, und so stand häufig eine Riesenschüssel davon mitten auf dem Tisch, und jeder stocherte darin herum. Hatte man eine Gabel voll Grün, schob man sich die Blätter in den Mund, was aber nie passte. So sass ich am Tisch, und mit hängten Salatblätter wie grüne Lappen im Gesicht. Dann wurde gestopft, bis alles drin war. Und genau dieses Erlebnis hatte ich gestern wieder. Negativ: Ich dachte, ich würde Viehfutter essen. Kopfsalat hat auf meinem Teller keine Zukunft. Ich werde beim Eisbergsalat bleiben.

Für die Abendmahlzeit hatte ich dann einen bayrischen Fleischsalat zubereitet. Mit der Fleischwurst hatte ich Glück. Sie schmeckte nicht wie eine Lyoner, aber auch nicht wie eine aus der Fabrik. Mein Wurstsalat (ist wohl zutreffender) war sehr gut gelungen. Mit allem drin mögen es 800 Gramm gewesen sein – übrig blieben zwei Zwiebel- und ein Paprikawürfelchen in einem kleinen Rest Dressing. Für mehr als eine Semmel und eine Halbe Bier war kein Platz.

So hat der Tag ergeben: Mit dem Hirn kann ich keinen Staat machen. Da ist Tarnen und Täuschen angesagt. Aber mein Fassungsvermögen, und das meines Sohns – beide sind beachtlich. Dazu gibt es keinerlei Verluste.

Meine Tochter hatte sich mit Grausen abgewendet.Sie erklärte, sie esse keine Wurst. Ich sagte ihr, ich würde auch keine Wurst als Brotbelag essen, aber hier sei keine Wurst aufgetischt, sondern ein Salat. Leider fehlt ihr die nötige Flexibilität, um die Sichtweise umzuschalten.

Sonst noch was? Ja, der Sturm. Heute wird die grpsse blaue Tonne mit Altpapier geleert. Das hat nun vielfach der Sturm erledigt. Die Leute mstellen ihre Tonne an die Strasse, und der Strum schmeisst den Eimer um, greift sich ca. die Hälfte des Inhalts und trägt ihn fort. Er hängt dann dekorativ in Büschen, in Zäunen, Hauseingängen usw. – unser Dorf soll ja schöner werden.
Und wie immer gibt es Spielverderber. Mein Sohn hat unseren Papiercontainer an sein Auto gebunden, einen Landrover Defender. Da gabs keinen Spielraum für Unfug.

Die Unterelbe ist derzeit für grosse Schiffe gesperrt. Die AidaPrima kreuzt zur Zeit nördlich von Helgoland, darf den Hamburger Hafen nicht anlaufen. Die Passagiere müssen halt noch ein oder zei Tage an Bord bleiben. Das ist nicht tragisch; sie nennen sich doch Kreuzfahrer! Und „Nomen est omen!“ Schlecht für die Reederei, wenn einige hundert Kreuzfahrer nun das Schiff leerfressen. Man stelle sich mal vor, der Forellenkaviar ist alle! Das geht doch nicht! Soll man die Blini trocken runterwürgen? (Beides auf dem Teller = extrem lecker!)

Gerade eben kriege ich einen Livestream von einer Hamburger Hafenfähre. Die haben bei einer 5-Minuten-Fahrt über die Elbe Wasser gefasst; im Passagierraum steht die Suppe knöcheltief. Aber die Fahrgäste steigen mit extrem sauberen Schuhen aus. Hast Du nun Elbe in den Socken, so musst Du an der Heizung hocken! Findste in den Schuhen Fisch, so mecker nicht, denn der ist frisch! Besonders Hechte sind begehrt, doch Vorsicht! Sie sind zahnbewehrt. Doch kommt Dir eine Brasse unter, wie’n Klodeckel, platt wie ne Flunder, so schmeiss sie ganz rasch über Bord, der Gräten wegen wirf sie fort! Und so weiter. Es wird schon wieder. Vielleicht sogar Sommer.B is dahin: Veronika, der Lenz ist da! Unsere Krokusse blühen!

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