663 – Alltag

Guten Morgen, Herr Risch! Wie geht es Ihnen heute?
Ich, etwas ungehalten: Wie solls mir schon gehen? Es ist wie gestern!
Ach ja, dann is ja gut!
Ich: Richtig, es geht mir gut, und es geht mir nicht so gut. Das versteht keiner, und ich wills nicht erklären, denn das kann dauern!
Dann is ja gut. Was ist heute dran?

Das ist ein typischer Dialog zwischen mir und dem Pflegedienst. Na ja, denke ich, wenns sein muss, dann auch das. Nehmen wirs als Einleitung zum Erfahrungsaustausch über Katzenhaltung. Und derlei Fachgespräch lenkt wieder ab von dem Umstand, dass ich nun mein 83. Lebensjahr in Angriff genommen habe. Mal gucken, wie es damit weitergeht. (Dummer Spruch. Natürlich „wie gestern“.) Ist trotzdem Futur und somit nicht definiert.

Man macht zu viel Gedöns um das eigene Leben. Ich zumindest bin so verdreht. Vermutlich ist mein Hang zur Küchenphilosophie krankhaft. Um wieviele Punkte gescheiter wäre es, statt dessen darüber zu grübeln, wie man die Monotonie des Alltags bekämpfen könnte? Vermulich würde dann eine Riesenüberraschungfür ungläubiges Staunen sorgen: Arbeit ist ja so unterhaltsam, und sie macht direkt Spass!

Eine solche Betrachtungsweise lehne ich rundweg ab. Sie läuft meiner ideologischen Ausrichtung diametral zuwider, und es ist ausgeschlossen, dass ich von jetzt auf gleich das Kartoffelschälen zu lieben beginne und den Tag damit verbringe. Dann lese ich doch lieber im „Ulysses“ weiter. Ab Seite 100.

H i l f e !

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