662 – Arachnophobie?

Wenn aus der Küche das Kommando „Lüften!“ kommt, ist Fensteröffnen angesagt. Und wenn ich schliesslich die Luke geöffnet habe, kommt nicht selten ein achtbeiniges Ungeheuer hereingetigert. Es heisst Opilio Parietinus.
Opilio ist rund, und sehr klein. Sein Körper hat einen Durchmesser von etwa 2 mm. Und sein Körpergewicht kann nicht festgestellt werden. Jede Waage zeigt Null an. Aber jedes der Gliedmassen ist etwa 30 mm lang. Wären meine Proportionen in gleichem Verhältnis, so müssten meine Beine 16 m lang sein. Versuche mal, bei Amazon eine passende Hose zu finden.

Herr Parietinus, ich nenne ihn der Einfachheit halber Opilio, oder besser Opi kommt also durch das Fenster hereingeschlurft, dann steht er steifbeinig vor meinem Monitor, schaut sich an, was da läuft, und geht wieder. Und ich gucke dem Monster kuh-äugig hinterher. Warum? Ich bin so drauf! Ich betrachte dieses Tier, ein Wunderwerk.

Es ist ein Allesfresser und muss wie der Mensch das Futter verstoffwechseln. Das männliche hat einen Penis, und das weibliche ein passendes Gegenstück plus Rohr für die Ei-Ablage – wohlgemerkt: Bei einer Körpergröße von 2,35 Millimeter! Wo zum Teufel lässt der Kleine den ganzen Krempel wie Herz, Lunge, Leber, Magen usw.? Oder braucht er sowas nicht? Wenn er tafelt, kann man beim besten Willen nicht von Fressen und Saufen reden – wenn er an einer toten Fliege nagt, dann ist es so, als hätte ich eine komplette 3-Zentner-Sau auf dem Teller!

Lassen wir es dabei. Arachnophobe fürchten sich vor einem „fast nichts“. Und wie schräg muss man drauf sein, ein solch kleines Wunderwerk der Natur mit einer Fliegenklatsche platt zu machen?

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