660 – Sarkasmus

Demnächst soll ich meinen Geburtstag feiern. Ich frage mich und andere, warum. „Das macht man so!“, höre ich. Einen vernünftigen Grund bleibt man mir schuldig. So kommt es denn, dass ich dann Kuchen essen muss.

Schon der Gedanke daran macht mich wütend. Kuchen vom „Bäcker“, der die Zutaten aus grossen Plastikeimern schöpft, die Mumpe irgendwie zusammenfügt und mit 5 mm Zuckerguss endgültig ungenießbar macht? Oder selbstgebackene Kuchen, die schon beim Anblick signalisieren, dass in der Küche eine kleine Katastrophe geschehen ist?

Warum darf ich nicht darauf verzichten? Nur weil andere glauben, das müßte alles so sein? Kommen wir der Wahrheit doch ein Stückchen näher:

Alles, was ich von meinem Geburtstag hab,
ist ein weiterer Schritt in Richtung Grab!

Dieser Spruch stammt nicht von mir – er könnte aber. Der folgende, aus derselben Schublade gezogen, ist auf meinem Mist gewachsen:

Ich werde 82. In diesem Alter
wirkt jedes Geburtstagsgeschenk
wie eine Grab-Beigabe.

Übrigens sind mir nicht nur die Geburtstage zuwider. Ich mag auch keine Begräbnisse. Wenn man mich zwang, dorthin zu gehen, habe ich mir nach der Predigt immer einen Kranz gegriffen und nach hinten in die Schar der Trauergäste geworfen – nur um zu sehen, wer als nächstes dran ist.

Einer der Trauergäste ist von meiner Sorte. Er meinte nach dem Kranzwurf, mir ginge es wohl nicht so gut und empfahl mir, über 8 Wochen meinen Kopf täglich mit feucht-kalter Erde einzureiben – damit ich mich schon mal daran gewöhne.

Ich dankte dem Mann für den guten Rat und sagte ihm, ich hätte dafür keine Zeit übrig, da ich jeden Tag mit einer Kerze in der Hand auf den Friedhof gehe und erwarte, dass ich dran bin. Er: Das hat noch nie richtig funktioniert! Ich: Deshalb gehe ich doch dort hin!

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