657 – Janus

Es gibt Menschen, die mir wohlgesonnen sind, und solche, die mich als dreifach gewendetes Arschloch bezeichnen.
Tut mir leid, das sind nicht meine Worte.

Tja, und da bin ich, in jeder Beziehung mit einem Mittelmaß gestraft, und dennoch durch ein ausreichendes Maß an Selbstbewusstsein gestützt. Letzteres ist ein wahrer Glücksfall.

Dem „Lieben Gott“ sagt man Pfuscherei nach. Aber man sollte ihm zugute halten, dass er lernfähig zu sein scheint. Nach dem Affen schuf er den Menschen. Als er sich das Ergebnis seines Mühens, den Menschen also betrachtete, beschloss er resigniert, mit dem Schaffen aufzuhören.

Kommen wir zu mir zurück. Zweifellos hat mich die erste Gruppe mit meinem friedlichen Gesicht erlebt, die zweite mit meinem im Zorn erstarrten. Ich bin wie Janus, ein römischer Gott mit zwei Köpfen/Gesichtern.

Schlichte Denkweise! Ich habe mehr als zwei Gesichter, bin dabei ziemlich variabel. Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Wir alle sind so ausgestattet, und wir unterscheiden uns nur in der Fähigkeit, den Gesichterwechsel zu steuern.

Eine solche Betrachtung, oder sagen wir eine solche faktisch korrekte Sichtweise belastet mich nicht. Ich bin von Geburt an mit dem Fatalismus meiner Mutter gesegnet. Ich erinnere mich an einen Disput mit ihr. Sie verlor die Geduld und beendete das Streitgespräch mit

Bei mir kannst Du lange picken,
bis Du ans Hirn kommst!

2 Kommentare zu „657 – Janus“

    1. „Die häufigste Darstellung des Gottes erfolgte aber, eventuell nach griechischem Vorbild von gewissen Hermes- und Apollonbildern, den Doppelhermen, eben doppelköpfig“

      Beides scheint korrekt, ist mir aber völlig schnurz.
      Grüße!
      Roland

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