645 – Feuer

Irgendwo, im Niemandsland
züngelt eine kleine Flamme,
verbrennt Halm um Halm.
Es ist der Sommer,
trocken das Grasland,
bereit, orgiastisch zu brennen.
Das Flämmchen müht sich,
möchte einen Feuerkreis bilden,
möchte wachsen und wachsen –
vergebliches Unterfangen.
Wind stört,
und die Flamme erlischt.
Nicht aber ihre Kinder.
Glühende Funken wandern,
vom Wind getragen
über das Grasland,
lassen sich nieder
und entzünden viele kleine Flammen.
Und wie immer überleben jene,
die stark sind,
die reichlich Nahrung finden,
und die den Wind als Freund erkennen.
Solche Flammen breiten sich aus,
vereinen sich und bilden ein Feuer,
das der Mensch fürchtet.
Es gilt ein Gesetz,
das die Welt beherrscht.
Hier gilt, dass viel Nahrung
auch viel Feuer entstehen lässt;
schaurig schön sind sie,
wie sie wachsen
zu haushohen Feuerwänden,
die Wälder fressen.
Vergessen ist die kleine Flamme,
die im Gras nicht überlebte.
Aber man sieht:
Ihre Kinder sind fürchterlich.
Wirklich fürchterlich.

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