606 – Seltsam

Wie ich sehe, sind wir unter uns, Alter.
Sag an: Warum stehst Du so schief?
Dein Teint gleicht dem eines Mehlwurms! Was ist los?
Ich antworte mir nicht.

Habe Mut, Alter!
Du weisst doch:
Wo Schatten ist, da ist auch Licht.

Schau hin!
Jeder Tag hat sein eigenes Gesicht!
Ist das nicht wunderbar?

Lege den Graufilter beiseite,
die Welt ist noch immer bunt.

Verliere keine Zeit,
sie ist kostbarer denn je.

Geniesse, was sich Dir bietet.

Den Schatten begegne
mit Verstand und Vernunft.
Sie sind so flüchtig
wie das Licht der Sonne.

Lebe!
Nicht aus Gewohnheit.
Lebe bewusst!

Vielleicht sollte ich mir mein Portrait
an eine Wand hängen;
Oscar Wilde könnte mit seiner
Dorian Gray-Story recht behalten.

Ob’s ein Spiegel auch bringt?
Ich traue ihm nicht.
Werde immer jünger,
und er zeigt, ich würde immer älter.
Trügerischer Schein, Imagination.

Ich verdecke den Spiegel,
gehe in mich und prüfe.
Möglich, dass ich bereits tot bin.
Ein Geschöpf derr Zwischenwelt.

Ich finde mich.
Bin leer; kein Herz. Eine Hülle.
Beginne zu begreifen.
Ich bin nur noch eine Erinnerung.

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