583 – Natur

Natur – was ist das?

Mein Lexikon spricht mit mir auch zu diesem Thema. Es verrät mir: Natur ist alles, was nicht vom Menschen geschaffen wurde.
Und es verrät mir nicht, wie man das nennt, das vom Menschen erzeugt wird. Das nenne ich unfair.

Ich nehme ein Stück Rindfleisch – Natur pur! Drehe es durch einen Fleischwolf, habe Rinderhack – keine Natur. Wenn ich also auf natürliche Nahrung fixiert bin, muss ich mein Fleisch fressen wie ein Wolf. Der kennt weder Salz noch Pfeffer, er kocht nicht, brät nicht, und wenn ein Fleischwolf in Sicht kommt, packt ihn wahrscheinlich das kalte Grausen.

Ok, ich bin nun ins Polemisieren geraten. Ein Zeichen von Hilflosigkeit. Ich verstehe immer noch nicht, was „Natur“ ist. Ich suche. Da kullert ein runder Kiesel im Bett der Isar talwärts. Der Stein ist nicht von Menschen gemacht, sondern von der Isar. Natur! Wie das Matterhorn. Die Geysire in Island. Kuhfladen und Rossäpfel sowie Hundeköddel. Menschenkinder. Alles Natur. Was aber ist mit Erwachsenen? Als Babies sind sie noch Natur, dann werden sie durch vielerlei Einflüsse der menschlichen Gemeinschaft geformt, und vielleicht Gangster – Ende der Natürlichkeit! Wir sind also ein Kunstprodukt wie die berüchtigte Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren. Wenn diese tatsächlich mit Milchsäurebakterien und Kuhmilch hergestellt wurde, ist natürlich Natur drin. Soll ich nun glauben, dass Natur dosiert verwendet werden kann? 80% Natur, 20% aus der Retorte? Und wie sind Kinder einzuordnen, die per In-Vitro-Fertilisation gezeugt wurden?

Garstig, wie ich bin, treibe ich es hier auf die Spitze. Es grenzt an Perversion, weil ich weiss, dass ich niemanden finde, der meine Zweifel ausräumt; dies ist allerdings hinnehmbar, da alles Fragen bedeutungslos ist. Warum also solche Gedanken? Es ist nur ein Spiel. Es ist wie das berüchtigte Stück Seife, das uns in der Dusche aus der Hand flutscht und nicht wieder eingefangen werden möchte.

Aber es bleibt die Frage im Raum stehen, was Natur eigentlich ist. Ich kneife mir eine Antwort ab:
Existenz, Zustand und Handlung im Nicht-Menschlichen. Als der Planet Erde ohne den Menschen auskommen musste, war er Natur pur. Dann kamen die Zweibeiner, und begannen, die Natur zu korrigieren. Das ist relativ einfach zu bewerkstelligen, denn Natur ist keine Sache, eher ein Werturteil zu einem Zustand von Sachen.
Und Sachen kann man so lange manipulieren, bis von irgendwo her eine Reaktion kommt.

Ich bin am Ende, und ratlos. Wie gut, dass mich keiner fragt, und dass ich nichts erklären muss. Ich weiss, dass kluge Köpfe auch über dieses Thema nachgedacht haben. Und was kam dabei zustande? Die Flucht in die Philosophie. Dort kann man an der Suppe so lange arbeiten, bis sie ungenießbar geworden ist. Dort habe ich nichts verloren, und dort kann ich nichts gewinnen. Ich habe verstanden, wo ich am besten aufgehoben bin. Wenn ich durch meine Tür trete, gehts geradeaus zur Toilette. Das wäre nun etwas wenig, nicht wahr? Ich blicke nach links, dort geht es in die Küche, und weiter zu meinem Weinregal. Das ist schon mal deutlich besser. Und rechts herum geblickt, sehe ich mein Bett. Und hinter mir finde ich dann mein Arbeitszimmer, in welchem etwas n i c h t stattfindet: Arbeit. Schaue ich aus dem Fenster, dann sehe ich Natur. Tatsache.

Da ist es wieder! Ein Gefühl, das mich daran hindert, die Natur als eine Fiktion zu betrachten. Ich kann mich einfach nicht entscheiden: Ist sie ein Nichts, oder ist sie ein Alles? Als gesichert gilt nur: Ich sehe einen Fliederbusch, vier Vögel und ein Insekten-Hotel. Wenn ich diese Info zugrunde lege, so erkenne ich, zuvor gerade eine Seifenblase gestartet zu haben, die mir um die Ohren geflogen ist, als sie platzte, und die nur eine kleine Pfütze Seifenlauge hinterließ.. Man nimmt einen Lappen und wischt sie weg.

Geniesser freuen sich über die gelungene Blase. Der Homo ludens als Realist weiss, dass er ein Spiel mit Null beginnt und bei Null enden kann. Was soll’s? Hauptsache, zwischen den Nullen lag ein Höchstmass an Hedonismus.

Ich sollte wohl endlich aufhören, zu blubbern ….. aus einem Vakuum kann auch ich nichts rausquetschen. Nicht mal heisse Luft! Oder Licht. Dort ist es dunkel – Natur pur!

7 Kommentare zu „583 – Natur“

    1. OPk, ich zustimmen kann! NJatur ist ein streng geordnetes System, das der Mensch als Chaos empfindet, weil es ihm nicht in den Kram passt.
      Er stülpt seine Denk- und Handlungsweise drüber und glaubtg, seine Kulter machte alles besser. Das Resultat ist z. B. die drohende Klimakatastrophe.
      Mensch und Natur – nicht kompatibel. Solange die Sonne scheint, verliert der Mensch jede Schlacht gegen die Natur. Da kann er noch so viele Atombomben werfen, oder unsere Atemluft verquarzen. Mich tröstet der Gedanke.

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      1. Du machst Witze, mein Lieber! Wir haben öfters Besuch von Eichelhähern. Die kacken in unsere Wiese. Der Erfolg sind 5 Eichen-Setzlinge. Gut, das ist noch kein Wald. Aber auch keine Kultur.😒 Als Hinterwäldler kenne ich die Kulturen im Wald. Meine 5 Eichen sind geschützt. Es gibt bei mir weder Rot- noch Schwarzwild. Sie könnten gut gedeihen, liesse ich sie unbeachtet wachsen.

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