581 – Flashback

Vorwort:
Ganz gegen meine Gewohnheiten habe ich das Folgende abschliessend selbst gelesen. Es hat sich dabei in mir der Verdacht gefestigt, dass ich unbewusst, aber doch ernsthaft beabsichtige, eine Sekte zu gründen. Darum in aller Deutlichkeit: Nur über meine Leiche !

Meine Vergangenheit folgt mir wie ein Hund.
Wo immer ich Platz nehme, sitzt sie an meiner Seite
blickt mich verstohlen an – nein, nicht lästig – aber sie scheint mich befragen zu wollen.
Ich aber habe es mir in der Gegenwart gemütlich gemacht, habe gelernt, Fragen zu ignorieren. Ich habe erfahren, dass für manche Fragen keine Antworten zu finden sind, oder auch dass die Antwort in der Frage verborgen ist.

Ich mag sie, die Vergangenheit, nicht sonderlich. Sie zwingt mich gelegentlich, mit ihr zu kommunizieren. Es gibt nur einen Weg dazu; man nennt ihn Erinnern.

Erinnerungen müssen hergestellt werden. Sie sind Produkte, bestehend aus Information und Emotion, und der Ort der Entstehung ist vermutlich die Seele.

Man muss hinnehmen, dass auch die Seele nicht perfekt ist. Mal lässt sie Informationen ohne Emotionen an die Oberfläche gelangen; wir nennen das seelenloses Irgendwas. Oder sie schickt Gefühl ohne Information und erzeugt auf diese Weise, was wir Stimmung ohne äußeren Anlass nennen können.

Der Prozess zur Herstellung von Erinnerungen kann gesteuert werden. Es befriedigt, wenn man alle Fakten zu einem Event findet und die passende Emotion dazu mischen kann. Irrtümer und deren fatale Folgen können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Die Entstehung einer Erinnerung kann durch eine besondere Komponente gefördert werden. Diese treibende Kraft ist das Gewissen. Zwar kann es die Fakten nicht verändern, wohl aber die Emotionen beeinflussen.

Und es ist verantwortlich für das Entstehen von Erinnerungen ohne erkennbaren Anlass. Bildhaft erklärt mit einem Topf Milch, der auf erkalteter Herdplatte überkocht. Ein Phänomen, nicht wahr?

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