579 – Selbstkritik

Ein alltäglicher Vorgang: Man lernt einen Menschen kennen, sammelt Erfahrungen im Umgang mit dem Neuen, hat sich ein Urteil gebildet, und steckt diese Person in die richtige Schublade.
Oder man bewertet alte Bekanntschaften neu und sortiert sie in andere Schubladen – es ist im Grunde immer der gleiche Vorgang.

Alles dazu geschieht intern, also nicht offen. Aber am Ende bestimmt die Schublade, wie man mit solchen Personen umgeht. Empathisch, reserviert, desinteressiert oder ablehnend – jeder kennt das. Und man erspart sich, darüber nachzudenken. Man hat seine Wertevorstellung, nimmt sie zur Hand, und mißt den anderen. Dann glaubt man zu wissen, mit wem man es zu tun hat, und öffnet die passende Schublade.
Und nun passiert es. Die andere Person macht das gleiche mit mir.
Nun könnte es sein, dass mir beim anderen die Merkmale 1, 3, 5 und 7 nicht gefallen. Der andere bemängelt an mir die Merkmale 2, 4, 6 und 8. Es ergibt sich keinerlei Übereinstimmung. Nun stelle man sich vor, die zwei Personen wären gezwungen, in einer WG zu leben. Wir haben eine Bombe, die jederzeit hoch gehen kann.

So. Wie vermeidet man Konflikte? Die Antwort ist verdammt einfach, die Umsetzung jedoch verdammt schwierig. Meine Antwort – würde ich gefragt – lautet: Hört auf damit, andere Menschen mit dem eigenen Masstab zu messen. Das ist falsch und unfair. Achte das Wertesystem des anderen wie das eigene. Sei grosszügig, und tolerant. Mehr ist nicht nötig.

Ganz toll: Das alles kostet keinen Pfennig, und keine Minute Zeit!

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