573 – Gejammer

Im Jahr 1874 wurde in Böhmen ein Mann geboren, der sich als vielseitiger Schriftsteller einen Namen machte und 1936 starb. Er spottete einst:

„Die Gedankenfreiheit haben wir.
Jetzt brauchen wir nur noch die Gedanken.“

Dieser Spruch ist heute nicht mehr aktuell.Er beschönigt in unzulässiger Weise, was vorwiegend CDU-Politiker und „Wirtschaftsführer“ am Ende ihrer Amtszeit zurückliessen: Bockmist in erxzellenter Qualität.
Ein Beispiel gefällig?

Die Lofoten sind eine norwegische Inselgruppe im äussersten Norden Europas. Die Insulaner verfügen mit G 5 über ein Datennetz, das knapp 2.000 mal schneller ist als der deutsche Durchschnitt. Die Chefin eines Unternehmens erzählte, sie habe einen Kunden in DE besucht. Dort stehen für 130 Beschäftigte 3 Computer zur Verfügung. Ihr Vater und sie, also 2 Personen hätten zu Haue 8 Computer in Betrieb. Und sie erklärt, dass sie ohne das schnelle Internet ihren Laden dicht machen könnte. Und DE? „Rückständig!“ meint sie.

Und nun des Spasses wegen ein Blick weit zurück. Da gab es den Konrad Zuse, der von sich behauptete, er sei zu faul für das Rechnen gewesen, und deshalb habe er den allerersten Rechenautomaten, den Z 1 gebaut. Gesunde Basis für die Computerindustrie, wie wir sie heute kennen, war dann allerdings der Z 4, ein voll programmierbarer und technisch sauber konstruierter Rechenautomat. Zuse war von Berlin ins Allgäu umgezogen, hatte einen Job in einer Käserei und mit seinem Z 4 eine grosse Hilfe bei der Abrechnung des Geschäfts mit Milch udn Käseprodukten.
Der Witz: Ganz Deutschland hielt den Mann für einen Spinner. Erst ein Schweizer war intelligent genug, den Wert der Zuse-Erfindung zu erkennen und sich eine solche Maschine bauen zu lassen. Der Weltkrieg II war in vollem Gange.

Böse Zungen behaupten, die deutsche Wirtschaft sei erst um 1982 aufgewacht – geweckt durch den Erfolg des Tischrechners C 64 von Commodore. Das ist Unsinn, denn ich habe bereits in den 70-ern an IBM-Maschinen gearbeitet. Aber sie ist, wie es scheint, leider wieder entschlummert und versucht heute, in 2022 die Augen zu öffnen.
Was ist geschehen? Kanzler Kohl und seine Minister entschieden sich für ein Fernsehnetz, nicht für eines zum Datenverkehr. Er spendierte damit den Arsch- und Tittensendern RTL, Sat.1 und anderen Sendekapazität. Sein Postminister Schwarz-Schilling meint immer noch, diese Entscheidung sei richtig gewesen. Wir Fernseher würden vor Schmerz weinen, wenn wir das TV nicht zur Verfügung hätten; er meint wohl das kommerzielle. Wie auch immer: 16 Jahre vertan, kein Netzausbau. Dann kam die Null der SPD, dieser Schröder. Eine seiner grössten Leistungen war das Ignorieren der Digitalisierung. Weitere 7 Jahre verschlafen. Und dann kamen 16 Jahre Merkel mit Stillstand achtern ran. Das macht insgesamt 39 Jahre Stillstand und unbeholfene, halbherzige, gescheiterte Versuche. Diese Tatsache spricht für sich, nicht wahr?

Der hochqualifizierte Bundesminister ist Jurist, Weinbauer und Organist. Mit etwas Phantasie könnte er in einem eigenen Video-Portal schoppen-saufend musizieren und Paragraphen aus dem Erbrecht vorsingen.
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat seinen Sitz in Berlin, dort in der Invalidenstrasse. Wen wundert es noch, daß nicht viel resp. nichts vorankommt?

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