568 – Nabelschau

Was ich am Schreiben hasse, ist das Lesen.
Doch, das geht zusammen.
Ich meine natürlich das Korrekturlesen.

Ernsthafte Schreiber sprechen davon, einen Text zu bearbeiten.
Es ist klar erkennbar, warum mich das Lesen so anstrengt.
Bearbeiten meint „Arbeit“. Und das ist nicht unbedingt meine Sache.
Ich möchte Vergnügen, keine Maloche. Es ist der Hedonismus in mir.

Und so geschieht es, dass ich lese: XYZ gefällt „236 – Wermut“.
Und ich überlege. Habe ich über Wermut geschrieben, oder
über Wehmut? Ich habe keine Erinnerung dazu. Nichts passt.

Also blättere ich in meinem Kram, finde den Wermut und lese.
Ich lese, um zu finden. Es ist mehr eine Suche. Und was ich finde,
geht mir so was von auf den Senkel! Tippfehler satt, Brüche im Gedankenfluss,
ordinäre Ausdrucksweise, abrupte Themenwechsel,
Überlängen bis hin zum Gelaber, belangloses Gequatsche
nach Art der Politiker, wenn sie mir vehement erklären, dass am Abend mit zunehmender Dunkelheit gerechnet werden muss – kurz:
Ich hab‘ das alles drauf, weiss das, und schicke verbalen Müll an meinen Blog.
Das ist frech. Und es ist mir gleichgültig.
Wenn dann jemand ankommt und den Murks liest, so mag der Eindruck
entstehen, ich sei ein wenig irre. Vielleicht sind im Oberstübchen
meine Scheitellappen ausgetrocknet, und die Temporallappen
stehen unter Wasser – oder ich bin einfach ein gewissenloser Hund,
der Qualität fordert, aber nicht liefert.

Ja, so bin ich.

Und nun? Macht dieser Schrieb irgendeinen Sinn? Ist es eine einfache Erklärung für Qualitätsmängel? Ist es Nabelschau? Eine fette Spur Narzissmus? Oder Masochismus?
Oder ist es eine Scharade, eine Farce, hinter der sich eine bestimmte Absicht verbirgt?

Leuten, die bis hierhin gelesen haben, komme ich nun frech:
Sucht Euch was aus, oder ignoriert das Ganze.

Ein gesunder Mensch muss sich nun fragen, was der Scheiß hier soll,
und das mit Recht. So etwas braucht man so dringend wie ein Furunkel am Hintern.
Für mich ist es allerdings nicht so sinnlos, wie es scheint.
Da ist eine Kernaussage: Ich mute Lesern ungerührt eine schlechte Qualität zu. Aber mir selbst möchte ich das nicht zugestehen. Es ärgert mich, wenn ich einen meiner schlechten Texte zu fassen kriege, und es kann dabei geschehen, dass ich eine Leiche schön mache. Aus Prinzip. Aber ich bin zu faul zum Korrekturlesen.

Und da ist eine nützliche Funktion dieses – zugegeben lächerlichen – Textes. Ich hab‘ wieder was zum Hochladen!
Wie oft das doch geschieht, dass sich ein Berg (ich) in Krämpfen dreht und windet, nur um eine Maus (Text) zu gebären!

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