562 – Klingen

Vorsicht! Hier geht es nicht um Klänge, sondern um Klingen, jene Teile von Messern, die Löcher machen!

Falsch begonnen. Es geht um Taschenmesser. Ich gestehe vorneweg: Ohne ein Taschenmesser gehe ich nicht aus dem Haus. Nur bei Flugreisen musste ich irgendwann auf meine Bewaffnung verzichten. Bein Securitycheck fand sich in meiner Hosentasche ein Messerchen mit einer 6 cm-Klinge. Das reichte, um mich abzuführen und bis in die Unterhose abzusuchen. Da konnten ja irgendwo noch 3 Handgranaten baumeln! Es brauchte 3 Polizisten für diesen Job, und einer davon war hochgefährdet, denn er musste eine kleine Maschinenpistole halten, die sah wie eine Uzi aus, und die sind angeblich ziemlich giftig!

Als mich die Staatsmacht aus ihren Krallen ließ, war mein Flieger weg. Klar, die warten nicht auf entwaffnete Terroristen. Ich buchte also um und erwischte einen Platz auf der letzten Maschine nach Hamburg. Der Bock war nur halbvoll, und ich machte es mir in der Holzklasse gemütlich. Dann kam eine Flugbegleiterin vorbei, fragte nach, wie es mir geht, und ich erzählte – mittlerweile belustigt – mein Erlebnis in Schwechat, dem Wiener Flughafen. Plötzlich sagte dieses Mädel: „Wissen Sie was? Heute ist Ihr Glückstag! Kommen Sie mit, Sie fliegen jetzt erstklassig nach Hamburg!“
So etwas muss man mir nicht zweimal sagen. Ich wurde knapp zwei Stunden lang richtig verwöhnt. Das ist mal korrekt eine ausgleichende Gerechtigkeit, dachte ich. Nur war mein Taschenmesser weg. Ich hatte jedoch kein Verlustgefühl. Das Teil war weniger ein Messer, sondern eher eine Krankheit.

Ok, ich bin wieder in meiner Spur. Schon mein Vater sagte immer: Ein Mann hat ein Messer im Sack! Letzteres ist Dialekt und meint Hosentasche. Ich gehorchte – was selten vorkam. Und ich habe das Messer-Virus auf meinen Sohn übertragen. So geschah es, dass wir beide ein Einhand-Taschenmesser trugen, das nach dem Kriegswaffen-Kontrollgesetz nicht in der Öffentlichkeit benutzt werden darf – weil man es heimtückisch, also unbemerkt mit einer Hand aufklappen kann. Es sind Keramikmesser in Schwarz (auch das noch) mit einer 8 cm-Klinge, ist extrem flach gebaut, und sie riechen nach Tod.

Ich habe mittlerweile umgerüstet. Trage nun ein Guiole-Messer mit 10 cm-Klinge und Griffschalen aus subfossiler Mooreiche. Das Holz ist rabenschwarz, eisenhart und zwischen 600 und 8.500 Jahren alt. Das Messer ist handgefertigt, schneidet französisch und wurde einst für Rinder-Hirten entwickelt. Die brauchten etwas Gutes, um Bullen zu kastrieren, oder einem Nachbarn Manieren beizubringen; man weiss ja, wie das Leben so spielt. Ein solches Messer zu tragen ist nun wieder nicht illegal.

An meinem Schreibtisch bin ich übrigens schwer bewaffnet. Hier gibt es für Obst und ähnliches das schwarze Einhand-Messer, für Grobes ein Austernmesser, und für alles und überall das Guiole-Ding. Dann findet sich in meiner Stube noch ein mittelalterlicher Schmuckdolch, der eher einem Kurzschwert ähnelt als einem Messer, was aber keine Rolle spielt. Auf diesem kuriosen Teil hängt mein Stroh-Hut und wartet auf Sommersonne.

Es ist klug, erst garnicht in unsere Küche zu schauen. Die ist ein Kapitel für sich.

So. Kann sein, Du denkst nun, ich hätte eine Macke.
Das ist in Ordnung.
Hab‘ ich. Na und?

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