551 – Herberge!

Vor Jahren machte ich mit meiner Frau eine kleine Rundreise durch das Elsass. Es ist jener Teil Frankreichs, dessen Menschen mir näher sind als anderswo en France. An die nördliche Kante des Elsass schliesst sich die Pfalz an, wo ich aufgewachsen bin.
Die Beziehungen zwischen Elsässern und Pfälzern scheinen diffus zu sein , wie ungeklärt. Man erzählt sich eine Geschichte, in welcher ein wild laufendes Hausschwein von Franzosen und Deutschen gejagt und in gemeinsamer Arbeit eingefangen werden konnte. Es könnte 1870 passiert sein, oder im WK 1. Jedenfalls hatten in einem Stellungskrieg die Helden beider Seiten ihre Schützengräben verlassen, und nach der Jagd ein gemeinsames Spiessbraten-Essen organisiert. Nach dem gemütlichen Abend kehrten beide Parteien in ihre Schützengräben zurück und haben wieder aufeinander geschossen. Möglich, dass einige wochenlang nichts mehr getroffen haben.

Diese Geschichte soll wahr sein. Ich glaube sie, weil sie nett ist, weils möglich ist, dass so etwas geschieht, weil ich es glauben will, und weil mir das Elsass nahe steht.

Mit einer Ausnahme: L‘ Auberge de L’Ill, ein 3 Sterne-Restaurant in Illhaeusern, direkt an der Ill gelegen, einem kleinen Nebenfluss des Rheins.

Wir kamen durch Zufall dort vorbei. Ich latschte auf die Bremse, zählte mein Geld und sagte meiner Frau, wir würden jetzt 300 für ein Mittagessen ausgeben. Kurz gesagt, ich bat und diskutierte etwa 10 Minuten, ungewohnt kultiviert, zuletzt mit dem Chef, und bekam keinen Einlass. Gäste waren nicht zu sehen. Offenbar muss man mit Krawatte antreten, um bedient zu werden, und wir kamen im Freizeitdress daher.

Wir zogen also weiter, und schon ein wenig gekränkt. Natürlich kannte ich eine gute Adresse auf der deutschen Rhein-Seite. Der Koch hatte bei Paul Bocuse gelernt, und seine Hechtklösschen in Rieslingsosse sind legendär. So haben wir ein exzellentes Menu der Gattung Fisch gegessen und 200 nicht ausgegeben.

Mit am Tisch sass ein einsamer Franzose. Wir kamen ins Palavern, und ich erzählte meine Geschichte von der Herberge am Ill. Er fluchte französisch; ich habe nur die Hälfte verstanden. Dann setzte in Deutsch fort: Tröste Dich, auch diese arroganten Leute werden noch lernen, wie wichtig Kunde und Renommé sind. Und hier sei die Küche genauso gut wie in der Auberge.

C’est la vie !

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