548 – Sterne-Koch

Es war vorgestern in der Frühe. Ich lag in meinem Bette, als mir eine innere Stimme erklärte, es müsse heute Fleisch auf den Teller. Eine solche Anordnung verwundert mich nicht. Schliesslich bin ich als Carnivore geboren, und es ist meiner Tapferkeit zuzurechnen, dass ich maximal 1 mal pro Woche Fleisch esse.

Wie auch immer: Ich holte zwei Koteletts aus dem Eis, taute sie auf und machte sie in Eisen-Geschirr geniessbar. Dazu gönnte ich mir einen Beutel TK-Gemüse, es waren Bohnen und Möhren. Bis dahin war die Welt in Ordnung. Dann kam jedoch die Sosse dazu. Ich hatte ein Rezept dafür. Balsamico + Honig + Rotwein + Gemüsebrühe + Kochsahne – das machte mich neugierig – und mein Mittagessen fast ungeniessbar. Du glaubst es nicht, was auf meinem Teller los war. Diese süss-saure Mumpe, die sich „Sosse“ nennen ließ, passte ziemlich gut zum Schwein. Aber nein – es war nicht chinesisch ….. ich weiss auch nicht. Es war eher ein Unfall. Die Farbe der Sosse – Flieder, mit Schwarz untergerührt! Kein Maler würde Zeug das essen, geschweige denn auf eine Leinwand auftragen. Und das Gemüse? Nun, die Möhren hatten kapituliert und ihren Eigengeschmack verloren. Schlimmer waren die grünen Bohnen dran; ich erspare mir, das zu beschreiben, was die erlebt haben.

Ich bin als Widerständler geboren. Menschen, die mir nicht geneigt sind, mögen mich auch einen Widerling nennen. Aber als Widerständler ist man hart im Nehmen, darum „Schwamm drüber!“. Und ich habe längst erkennt: Es wäre klug gewesen, Terrorist zu lernen. Wie auch immer – der Terror richtete sich diesmal gegen den Terroristen, als Widerling war ich praktisch gezwungen, nicht klein beizugeben, und habe meinen Teller gut gefüllt und leergegessen. Alles ins Klo zu giessen wäre für mich die Höchst-Strafe gewesen.

Meiner Tochter W. sei gedankt, sie hat mein Kochgeschirr abgewaschen. Sie erzählte, die kalte Sosse konnte sie nur mit Hammer und Meissel aus dem Töpfchen entfernen.
Ich schwöre jeden Eid ….. ich hatte keinen Zement eingerührt ….. es sei denn, mein Sohn hat sich mit unserer Mondamin-Tüte einen Scherz erlaubt. Ich muss das jetzt checken. Falls statt Maisstärke ein Heidelberger Zement gefunden wird, habe ich mir vorgestern den Dünndarm zugemauert. Ok, ich sollte wirklich keinen Teufel an die Wand malen.

In toto ist mein Küchenerlebnis eher positiv zu werten. Übel waren nur „Sosse + Schnippelbohnen“, alles andere gute Hausmannskost. Ich habe dazugelernt, und lasse künftig die Finger von Rezepten der Klasse Extravaganz. Ich habe da ein Problem mit meiner mangelhaften Disziplin. Fummelei ist so bei mir so etwas wie eine Leidenschaft, und an Sossen kann ich stundenlang herumschrauben, bis ich erkenne: So geht’s. Aber dann ist meine Sosse auch richtig lecker.

Ich kann nicht kochen. Und ich koche nicht gerne. Muss es aber tun, weil ich auf warme Mahlzeiten ungern verzichte. Nun kann es geschehen, dass ich wegen der Kocherei eine Buddel Wein öffnen muss – das führt zu einem bemerkenswerten Klimawandel in der Küche. 100 ml für die Sosse, und 600 ml für den Koch. Das macht viel Sinn. Die linke Hand rührt, und die rechte hält das Weinglas – und schon herrscht tiefer Frieden in meiner Küchenwelt!

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