547 – Bagel

Es ist schon eine ganze Weile her, seit sich der Bagel mit den Menschen anfreundete (oder umgekehrt). Genauer gesagt findet sich der erste historische Nachweis im Krakau des Jahres 1610, es hatten jiddische Bürger ihre Hände im Spiel, und das Backwerk hiess „bejgl“.

Anscheinend wird der Kringel erst gekocht, und dann gebacken.

Vorhin kam W. vom Einkauf zurück und legte mir zur Bewunderung eine Tüte voller Bejgl vor die Nase. Ich korrigiere: Sesam-Bagel. Ich griff natürlich zu. Bagel mit nichts drauf. So begann ich zu essen, und spürte plötzlich, wie das Zeug in meinem Mund immer mehr wurde, obwohl ich versuchte, dieses Brot mit einer Konsistenz von Polyurethan-Schaum runterzuwürgen.

In meinem Mund bildeten sich Klumpen. Beim Einspeicheln und Kauen entwickelt sich das Produkt zurück in seine Urform – Teig! Die Teigklößchen kriegte ich erst mit einem kräftigen Schluck Mineralwasser aufgelöst, und ich schaffte den Bagel auf diese Weise – es sollte meine Mittagsmahlzeit sein! War’s dann auch. Mir reicht’s. Bis zurück in die Steinzeit.

Und ich frage mich allen Ernstes, warum die Leute eine solche Abscheulichkeit kaufen. Ich fragte W. und blieb ohen plausible Erklärung dumm sitzen. Plötzlich kam mir die Antwort hoch: Vergiss Butter, Salatblatt und Wurst. In heissen Kakao stippen bringt den Genuss!

Doch dessen ungeachtet fasse ich diese Dinger nicht mehr an. Da lobe ich mir eine frisch gebackene bayrische Laugenbrezel! Eine Halbe dazu, und ein Stück Käse, aus dem Laib geschnitten – das ist eine rechte, deutsche Vesper-Variante mit Klasse!

Bagel – dass ich nicht lache! Das ist etwas für Amerikaner und für Pferde, für die Rösser aber nur, wenn sie Durchfall haben! Man möchte ihnen doch keine Kolik verschaffen!

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