538 – 8skt

Da ist sie wieder, die Situation. Ich schreibe die laufende Nummer eines neuen Beitrags, und weiss nicht weiter. Es ist kein Pfeil im Köcher. Aber ich habe noch drei Stunden mit irgendwas zu füllen, bis meine Zeit zum Abhorchen meiner Matratze gekommen ist. Ja, insoweit lebe ich nach Plan, und dies mit Absicht, da aus Notwendigkeit.

Ich schaue mich um. Es ist still. Nur mein Sauerstoff-Erzeuger brummt und pustet vor sich hin. Das tut er an 7 Tagen wirklich 24 Stunden lang, und zwar in jeder der 52 Wochen pro Jahr – störungsfrei. Man könnte glauben, er atmet ….. für mich.

Soeben ging ich ca. 40 Meter, um mir eine Flasche Wein zu besorgen. Ich erlaube mir dies nach 5 trockenen Tagen. Doch die 40 Meter ohne Geh-Hilfe haben mich erst mal geschafft. Ich verfluche den Tag, an dem Euer Gott die Bandscheibe erfunden hat. Er hat sich eine Pfuscharbeit geleistet. Aber wen wundert’s? Wir alle haben erlebt, wie lange der Bau des Flughafens in Berlin gedauert hat. Lassen wir es dabei. Es ist, wie es ist.

Inzwischen ist achtern wieder Ruhe. Die Lordosenstütze hat es wieder gerichtet. Und so habe ich nun Zeit und Muse, darüber nachzudenken, wie ich mit meinem Leben zurecht komme. Es könnte sein, dass ich unbewusst zu viele negative Gedanken einbringe, das Positive also nicht mehr richtig wahrnehme. Wenn das so ist, dann muss ich mich mit einer 8skt-Krise auseinandersetzen. Das ist wahrlich ein unangenehmer Gedanke. Übrigens ist 8skt ein Kürzel für Achtsamkeit. Ich habe das Kürzel soeben erfunden, werde damit aber nicht den Weg in den Duden schaffen. Dies ist auch nicht mein Thema.

Man kennt die Maslow’sche Bedürfnispyramide. Sie stellt den Weg des Menschen durch seine Bedürfnis-Welt dar, beginnend bei den Grundbedürfnissen, und endend bei der Selbstverwirklichung. Wir alle gehen diesen Weg nach oben, in Stufen, wir gehen ihn unbewusst, in unterschiedlichen Tempi, und unterschiedlich weit. Aber eines ist gemeinsames Verhalten: Ist ein Ziel erreicht, so richtet sich die Aufmerksamkeit auf die nächste Stufe. Alle bis dahin erzielten Erfolge werden als Selbstverständlichkeit nicht mehr wertgeschätzt.

Warum ist das so? Wir haben ein 8skt-Problem, eine gestörte Wahrnehmung im Prozess des persönlichen Fortschritts.
Wenn es nicht weiter nach oben geht, besinnen wir uns auf das Erreichte. Es tröstet, hilft bei der Vermeidung eines Absturzes. Aber solange der Weg nach oben offen ist, vergessen wir, was zurück bleibt ….. manchmal sogar die eigene Familie.

8skt leben? Es ist nicht leicht. Wir sind anderes gewöhnt. Achtsam leben bringt uns wahrscheinlich nicht in einen Chefsessel, aber es kann uns in unseren verschiedenen Rollen wertvoll machen.

Möglicherweise werden wir, sofern uns eine Wahl bleibt, den Chefsessel nehmen, oder?

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