537 – Matratze

Heute packe ich ein Thema an, das die meisten Menschen hochinteressant finden, oder auch weniger, bis garnicht. Ist mir gleichgültig. Es geht um mein Bett, genauer gesagt meine Matratze. Für dieses Ding hatte ich relativ viel Geld hinzublättern und dafür Wohlbefinden erwartet. Ersteres wurde realisiert, und statt Wohlbefinden ernte ich Kreuzschmerzen. Natürlich kann ich dies der Matratze nicht anlasten, denn Ursache sind kaputte Bandscheiben. Aber sie versagt mir so etwas wie Support, und das nehme ich übel.

Nun hatte mir mit mühsamem Schlaf eine Kuhle in den Schaumstoff geschlummert, und Eingekuhlt brachte mir einen Teilerfolg, quasi die halbe Miete. Dumm nur, dass diese Kuhle in der linken Hälfte entstand. Das ist mir zu nahe an der vorderen Bettkante. Und wenn ich aus dem Bett falle, gibts einen Schaden am Laminat des Fussbodens.

Intelligent, wie ich nun mal bin, fand ich eine Problemlösung. Zumindest glaubte ich das. Ich drehte die Matratze wie auf einem Teller um 180 Grad. Nun ist die gekuhlte Kante nicht mehr vorne, sondern hinten. Eine Überprüfung ergab, dass zugleich die hintere, ungekuhlte Kante nun vorne liegt. Ok, das ist jetzt ein wenig viel Technik. Aber es gibt Ergebnisse. Auf der harten, flachen Kante schlafen macht Kreuzschmerzen, und ich kann leichter aus dem Bett fallen. Logisch, dass ich nun nicht auf der linken, sondern auf der rechten Matratzenhälfte schlafen müsste, dann aber mit dem Kopf zum Fussende des Betts mit dem Risiko, hinten aus dem Bett zu fallen.

Nun ist guter Rat teuer. Vielleicht sollte ich auf dem Fussboden schlafen? Aber wie sollte ich ohne Kranwagen auf die Beine kommen? Dann müsste ich konsequent da unten leben. Mit einem Staubtuch, das für 4 Quadratmeter Fussboden reicht. Gäste müssten auch runterkommen, damit man sich auf Augenhöhe unterhalten kann; andernfalls müsste ich wie ein Dackel ständig nach oben schauen. Abgesehen von der Tatsache, dass ich dann wie ein Wurm leben würde …..

Warum erzähle ich dies hier, es ist doch nur Schmonzes! Gewiss, gewiss, das ist Schmonzes. Aber es ist auch ein Stück meines Lebens, nämlich die Zeit vom Aufstehen bis zum ersten Pott Kaffee. Diese Spanne findet statt, und sie ist schmerzensreich, also von besonderer Bedeutung! Wenn ich dann gestorben bin, womit ich im Jahr 2034 rechne, soll in einer Grabrede irgendwer sagen können: “ Hier, in dieser Urne ruhen nun die Bandscheiben von Roland, mitsamt seiner Matratze, die mit ihm zu verbrennen war, wie er es in seinem Testament unmissverständlich bestimmt hatte …..“

Überhaupt – ich und tot, das geht immer noch nicht zusammen. Oftmals plagt mich die Frage, ob ich wirklich noch lebe, oder einfach nicht tot bin. Sorry, dies so abzufragen ist meinem Alter geschuldet! Ich werde demnächst 82 und bin somit prädestiniert (Google: befähigt u. a.) für die Anlage einer soliden Altersdemenz, nicht wahr? Ob ich noch lebe? Dem äusseren Anschein nach ja. Und nein, nicht tot bin ich auch nicht. Oder doch? Nun gestehe ich, sprachlich ist hier meine Sprachform unglücklich. Es sieht wie eine doppelte Verneinung aus, die bekanntlich in Summe ein Ja ergibt, das ist von hinten durch die Brust ins Auge geschossen, also für Freunde einer schlichteren Sprachkultur eher ungeniessbar.

Und was hat das nun mit meiner Matratze zu tun? Tja, da ist doch noch die Zukunft! An sie denkt man nicht immer, plappert aber über Nachhaltigkeit. Ich wünsche, und ordne zu Lebzeiten an, dass ich auf dieser Matratze sterben will (in 2034!). Nirgendwo sonst. Schon garnicht im Badezimmer. Ich habe das neulich testweise gemacht, man hat mich brav vom Porzellan geholt und ins Krankenhaus geschafft – aber es war einfach kein Hit.

Ich ……. schon gut. Kein Finale. Genug Schmonzes (jiddisch; Geschwätz).

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