535 – Gries

Ein gütiger Engel – es war dieser pockennarbige – hat mir heute nacht beigestanden; ich konnte rund 7 Stunden ungestört schlafen. Aber anders als zu erwarten sass ich heute frühauf der Bettkante, war übellaunig und fluchte in mich hinein ….. aufstehen war nicht mein Ding. Nur fragt keiner danach, was mir bekommt. Der Pflegedienst? Heute nicht! Es wird erbarmungslos gepflegt. Zu allem Überfluss erschien auch noch die Sonne, und schlagartig erkannte ich, was mir tatsächlich fehlte: Ein gutes Frühstück mit einem Kübelchen besten Kaffee’s, und den Rest des Vormittags in einem Yacuzzi mit Blick auf das Matterhorn. Und was war wirklich? Kaffee – geht gerade noch so. Frühstück? Alter, bist Du durchgeknallt? Yacuzzi? Mach die Augen zu und denk Dir eines! Und das Matterhorn? Es bleibt für mich unsichtbar, weil ….. da liegen der Harz und der Bayrische Wald dazwischen und versperren uns Norddeutschen die Sicht.

Erstaunlich ist allerdings, dass sich meine Laune irgendwann und unbemerkt deutlich verbessert hat. Wie ich mich kenne, war nun überdeutlich angesagt, dies auszunutzen, und ich habe mich tatsächlich überlistet. Mein Bürostuhl hat nun einen nagelneuen Unterbau, und ich sollte nur noch das Werkzeug wegräumen. Später.

Ich muss es mir eingestehen ….. nun bin ich ein wenig entkräftet. Bürosessel umherzuwuchten habe ich nie trainiert. Ich bin bestens ausgebildet im Drinsitzen.
Damit bin ich stets über die Runden gekommen – bis heute. Hier und jetzt erfahre ich, dass auch ein Kerl mit der Statur eines Grizzly so abgewirtschaftet sein kann wie ein leerer Kartoffelsack. Jaja, gewiss, ich übertreibe ein wenig. Ich weiss schon seit geraumer Zeit, dass meine Kräfte schwinden. Aber es ist einfach ärgerlich, wenn das wieder und wieder bestätigt wird. Die Methode dazu ist infam. „Gehts Dir gut? Fein!“ und rumms. Volltreffer dort, wo Hirn sein soll.

Was auch immer – ich sollte mich nicht beklagen. Meine Restarbeit erfordert nur Papier und Bleistift, ich lasse sie noch einen Tag liegen, gönne mir diese spezielle Art von Faulheit, die man in der Wissenschaft Prokrastination nennt. Ich weiss nicht, ob dies eine Krankheit ist, oder nur ein auffälliges Verhalten, mit dem man Unbeteiligten klar macht, dass man noch immer wichtig ist, oder gar Abwehr von Arbeit (Ich hab genug zu tun, lass mich in Ruhe!). Der prokrastinierte Job kostet mich etwa 5 Minuten Lebenszeit. Das nur nebenbei.

Anderes Thema. Zur Zeit bin ich mit einer Idee schwanger, die mir inzwischen Sorgen bereitet. Ich versuche, mich für das Kochen zu motivieren. Kochen wäre eigentlich attraktiver als Blog schreiben, weil ich am Ende der Kocherei etwas Gutes für mich selbst hergestellt hätte.
Ich müsste halt klein anfangen, so mit Eier hart kochen und ähnlichem, und mich über Monate zu steigern, bis ich perfekte Bratkartoffeln schaffe. Nun hat der Plan einen Haken! Gestern erhielt ich eine unüberhörbare Warnung zugestellt. Ich hatte mir einen Griesbrei zubereitet, und dies in der Annahme, das sei harmlos und auch von Deppen zu bewältigen. Und so kam, was kommen musste. Ich hatte keine Prise Salz zugegeben, wusste nichts von diesem Trick. Der Gries hat langweilig geschmeckt. Nachgesalzen und erneut Zucker dazugegeben – schon war das Zeugs geniessbar, aber ich schmeckte den Pfusch heraus.

Wäre das alles gewesen, ich hätte es einfach weggesteckt. Aber mir ist dieselbe Milch 3 x übergelaufen! In Worten: Drei mal. Sie war kaum zu bändigen! Und dies, obschon ich vor dem Herd stand. Und beim dritten Mal hatte ich Landunter wie die Hallig Hooge bei Sturmflut! Nun, satt geworden bin ich dennoch. Selbst W. kriegte noch eine Portion davon ab. Aber ich habe gearbeitet, als hätte ich Elb-Hochwasser in der Küche gehabt. Es war 1/3 Liter über den Topfrand gekommen. Ich stand da mit dem heissen Pott in der Hand, und es kam immer noch und immer noch weisse Plörre über! Dabei hatte ich vor dem 3. Mal schon 2 x mit Wasser nachgefüllt und war am Gries-Einrühren. Hast Du das Bild? Lustig, gell?

Ich gehe davon aus, dass ich die hier geschilderte Panne eine Laktose-Unverträglichkeit nennen darf und künftig auf Milch verzichten sollte. Und ja, ich bin auch beleidigt. Was im Tetrapack blubbert, ist eh keine Milch, sondern ein Molkerei-Kunstprodukt. Wir Alten und die Milchbauern wissen Bescheid. Letztere kaufen ums Verrecken keine Tetrapacks im Supermarkt!

Dazu fällt mit gerade eine Episode ein. Meine Frau und ich in Old Italy. Ein Spaziergang führte uns an einer Tomatenplantage vorbei, wie man sie besonders aus Spanien kennt. Plastikzelte und so. Oder aus den Niederlanden. Der Weg führte zum Haus des Besitzers, und daran vorbei. Dieser Tomatenbauer hatte einige Tomatensträucher an der Hauswand stehen. Ich schätzte so an die 30 reife Früchte. Ich fragte mich, warum dieser Mann nicht in eines seiner Plastzikzelte ging, wenn er Tomate essen will. Zwanzig Schritte weit, ist doch nichts! Er kam an die Tür, um zu schauen, wer da in seinem Revier herumgeistert. Ich deutete auf seine privaten Sträucher und grinste. Und er hob einen Daumen in die Sommerluft und grinste zurück. Und ich wusste: Was in seinem Gewächshäusern wächst, ist ihm nicht gut genug. Kunstprodukte! Aber ich solls beim ALDI kaufen. Man nennt das Ganze „Business“.

Wie immer hatte das Abenteuer „Gries“ auch eine gute Seite aufzuweisen. Unsere Küchenecke war schon lange nicht mehr so sauber wie nach meiner ausgiebigen Putzaktion.
An diesem Punkt fällt auf, dass meine Idee mit Kochen dann doch wenig zu tun hat.
Mag sein, ich lerne Griesbrei. Aber wer wäscht ab? Ich habe keinen Küchensklaven aus Uganda zur Hand. So bliebe mir nur die Methode 180/15. Nein, das ist kein Tippfehler. Ich meine nicht 08/15. 180/15 meint 180 Minuten Arbeit für 15 Minuten Genuss.

Um ehrlich zu sein: Ich bin einfach ratlos. Wenn ich es richtig angehe, dann beginnt meine Ausbildung damit, dass ich Kartoffelschälen zum Hobby erkläre, und wenn mich dann 30 Pellkartoffeln zu schälen habe, mich freue und rufe „Heissa, was für ein Spass! Ich koche noch 30!“ Herr, lasse bitte Hirn regnen!
Nein, nenne mich eine Memme, einen Feigling, einen faulen Sack, aber das bringe ich nicht!

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