530 – Prosit!

Quo ego vado vos?

Heute ist der 1. Januar irgendeines Jahres; welches das sein mag, ist etwas für Erbsenzähler. Mich ineressiert das nur am Rande, sagen wir der guten Ordnung halber.

Die eingangs gestellte Frage drängte sich mir auf, als ich in der vergangenen Nacht den letzten Schluck Schaumwein aus meinem blechernen Kaffeetopf trank und erkannte, dass mich mein Kopfkissen zu sich rief; einer alten Gewohnheit folgend leistete ich nur geringen Widerstand und lag schliesslich, an der Matratze horchend, in meinem Bett, wie es sich gehört.

Quo ego vado vos? Wo gehst Du hin?

Gott, ja, diese Frage darf man sich schon stellen, wenn man in das mit einem neuen Jahr verknüpfte Ritual einer Silvesterfeier eingebunden ist. Man weiss, dass eine angemessene Antwort ausbleiben wird. Für ein Selbstgespräch reicht die Fülle der Gedanken bei weitem nicht aus. Es scheint, man redet in einen leeren Wassereimer, der im Boden das berühmte Loch aufweist. Man giesst Trinkbares ein, und dennoch verlöscht rundum das Leben wie ein Hering auf dem Dach.

Überhaupt, ich versuche meist, ehrlich zu bleiben. Darum sei das Folgende gesagt:

Latein im Blog ist reine Grossmannssucht. Man will mehr scheinen als sein. Das gilt für jeden – auch für mich.

Die Wahrheit über dieses Silvester-Ereignis, wie ich es erlebte, sei hier angedeutet:

Ich war allein.
Gegessen habe ich nichts.
Getrunken: Rotkäppchen, ein Schaumwein für 3,99 oiro, plus reichlich Mineralwasser
Kein Fernsehen; das Silvesterprogramm war wohl dem Milchvieh in der Landwirtschaft zugedacht.
Genascht: Eine Handvoll widerlich süsse Schokonüsse vom Stamme der Hasel.
Keine Langeweile.
Produktivität: Null
Keine Neujahrsansprache des Bundeskanzlers; der Neue hat angeblich sein Schatzkästlein geöffnet und sein Volk konnte seine schwachsinnigen leeren Worthülsen bewundern – so erzählt man sich heute.
Kein Dinner for one.
Um null Uhr: TV ein und zack! Wieder aus. War zu Tode erschrocken, die spielten tatsächlich die Ode an die Freude, diesen Schlager über einen Götterfunken. Spielt man das nicht auf Friedhöfen, wenn dort 30 Leute in ein Loch starren?
Tochter aus Aluminium (aus meiner Jugendzeit, damals gab es auch schon Beethoven satt)

Ein wenig aussergewöhnlich, um nicht zu sagen extraordinär, nicht wahr? Und was sagt das über mich? …..

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