521 – Festlich?

So ein Weihnachtstag löst sogar bei mir, einem hartgesottenen Gegner der Geschichten um einen gewissen Jesus einen Reflex aus. Ich kann mich tatsächlich daran erinnern, dass ich als Kind in einem Krippenspiel mitwirkte, indem ich die Rolle eines wohlgenährten Engels übernahm, der keinen Text zu sagen hatte und mit einem Stern an einer Bohnenstange herumwedelte. Eine olle Kamelle, aber es ist tatsächlich so geschehen.

Heilig Abend 2021 – fast ein Abend wie der des 27. November. Bescherung? Entfällt.
Gemeinsam essen? War angesagt. Festliche, besondere Mahlzeit? Nun, wie immer beim Thema Essen ist hier der Geschmack gefragt. Drei Leute waren der Meinung, dass die Küche kalt bleibt, und eigentlich mal wieder Beef Tatar angesagt sei. Also hatte jeder von uns 350 Gramm rohes Fleisch auf dem Teller. Ich nenne das „zu einem christlichen Fest barbarisch essen“. Rohes Fleisch mit einem toten Huhn in Dotterform drauf – mal ganz ehrlich: Sehr skurril, und sehr lecker!

Nach dem Essen bin ich dann unversehens, wie das meine Art ist, im Sitzen eingeschlafen. Ich war für ca. 60 Minuten weggetreten. Als ich erwachte, waren Sohn und Tochter in ihren Schlafmulden verschwunden. Eine Katze pennte in meinem Besucherstuhl, die zweite habe ich nicht gefunden. Sie hat vermutlich wieder versucht, die Population der Spitzmäuse zu korrigieren. Es kann nicht bestritten werden, dass in meinem Haus nur Carnivoren leben.

Wie auch immer – das war Heilig Abend 2021.
Nun ist Feiertag 1, und es sollte nun doch ein wenig festlich werden. Dies beginnt damit, dass ich im Moment, es ist 11:40 Uhr, nicht weiss, was ich zu Mittag essen soll. Da ist nichts. Aber ich habe in einem festlichen Akt Pellkartoffeln zu kochen, zu schälen und einen Ansatz für Kartoffelsalat herzustellen. Der muss dann die Nacht über durchgaren, und morgen gibts dazu – na was? Na, etwas für Fleischfresser! Nackenkoteletts, jedes 2 cm dick! Auf diese Weise bekommt Feiertag 2 doch auch noch einen festlichen Touch! Vielleicht appliziere ich mit neinem Zweiglein eines Nadelbaums die Fleischstücke und stelle eine Flasche Fichtennadelfranzbranntwein dazu …..

Nun, jeder kann Weihnachten auf seine Art feiern. Dieses Privileg kann man geniessen, sofern es gelingt, dem Konsumterror zu wiederstehen (der wieder einmal im Oktober gestartet wurde). Die christliche Basis dieser Festtage ich für Atheisten wie uns ohnehin nicht relevant, und was bleibt, ist das Familien-Meeting, wobeidie Freizeit gefüllt werden will. So macht einer Kartoffelsalat, der zweite schraubt an einer Steiuererklärung herum, und der dritte tut ein bisschen was für die Firma. Es gibt Erfolge, weil eine blockierte Schranktür wie auch ein multifunktionales Computerzubehör zum Drucken und Faxen wieder funktionieren. Die Croissants zum Frühstück schmeckten allerdings wie Knüppel auf den Kopf. Doch wir sind hart beim Austeilen wie beim Nehmen. Solange keine Katze überfahren wird.

Ich habe das Gefühl, dieser Bericht passt nicht so recht zum Weihnachtsfest. Ich habe nachgedacht, und lasse ihn so durchgehen. Immerhin ist er wahr und als solcher ehgrlich, ohne das ganze Gesumse. Und die Tradition?

Wenn Opa ein Säufer war, Papi ein solcher, und ich auch einer bin, so kann man auch von einer Tradition reden. Das heisst aber nicht, dass mein 12jähriger Sohn rechtzeitig an den Alkohol gewöhnt werden muss, damit er die Tradition fortsetzt. Ich könnte ihm auch beibringen, dass Präservative krank und unfruchtbar machen – damit er selbst genügend Säufer in die Welt setzt ….. Traditionen müssen nicht unbedingt Gutes bewirken!

Gütiger, was bin ich wieder garstig! Es sind die Croissants von heute früh …..

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