518 – Weihnachten

Viele Menschen überlegen, wie sie dem Thema „Weihnachten“ begegnen sollen. Man schaut sich um, hört hin und denkt nach. Und man bleibt in der Regel ratlos.

Weihnachten fordert uns. Und wir ziehen es vor, den einfachen Weg zu gehen – nämlich auszuweichen.

Sarkasmus zur offenkundigen Entartung des Weihnachtsfestes und die selten geäußerte, aber dennoch latent vorhandene Sehnsucht nach der Erfüllung weihnachtlicher Werte und Wünsche scheinen sich die Waage zu halten. Die vermeintlich unvermeidbare Entscheidung zwischen Ideal und Realität überfordert.

Geht man den Dingen auf den Grund, so kristallisiert diese vorerst noch unbestimmte Materie, und man begreift letztendlich: Es ist die Sehnsucht nach dem Weihnachtsfest unserer Kindertage, die unsere Zweifel nährt. Heute würde man von jener Weihnacht als die der Armen sprechen, hätte man es nicht selbst erlebt und geliebt. Das Fest wurde in Bescheidenheit gefeiert, das Gebotene war dennoch aussergewöhnlich. Die Glitzerwelt beschränkte sich auf den Weihnachtsbaum – aber dieser gehörte uns allein. Die Küche hat gelegentlich nach Weihnachtsbäckerei geduftet – und Naschen verschaffte seltenen Genuß. So war das – früher.

Loriot lässt einen Opa feststellen: „Früher ….. war mehr Lametta!“ Ja, früher!

Es wird gewiß weiterhin beeindruckende Veränderungen geben. Deren Richtung ist uns allerdings ebenso unbekannt wie gleichgültig. Zukunft, die wir eventuell nicht mehr erleben. Wir ziehen uns also zurück, dorthin, wo das nicht-öffentliche Weihnachten uns erwartet. Wir versuchen, unsere Vorstellungen angemessen gerecht zu werden, Trends zu ignorieren, die Glitzerwelt der Konsumtempel fernzuhalten. Wir nähern uns damit unserer Vergangenheit und sind zugleich klug genug, uns dort nicht zu verlieren. Und wir erfahren schmerzlich, daß Vergangeheit gelebtes Leben und auch bei allem Bemühen nicht wiederholbar ist.

Weihnachten …..

….. nicht das reale, sondern das erträumte entdecken wir, wenn wir in einer stillen Stunde unseren Blick nach innen richten. Das Penetrante wird sich verflüchtigen, Lautes wird leise, zum Licht gesellt sich Schatten. Und wir können dabei glückliche Momente erleben, die von Harmonie bestimmt sind. Vielleicht tritt dann zutage, was Weihnachten sein soll – für Christen, und andere gleichermaßen:

Ruhe zur Besinnung,
Besinnung zur Orientierung,
Orientierung zum friedlichen Zusammenleben mit anderen –
ja, insbesondere auch mit uns selbst.

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