515 – Distanz

Hast Du nicht auch die Schnauze voll vom Kartell der Psychopathen, die die Welt beherrschen und/oder ausbeuten, was sie dann Regieren nennen? Ich jedenfalls vermeide neuerdings, sie beim Namen zu nennen. Sie sind eine Entgleisung der Natur wie siamesische Zwillinge, nur ungleich gefährlicher.

Leider Gottes bin ich in der Psyche des Menschen nicht zu Hause – somit ziemlich inkompetent. Eine innere Stimme räsoniert: So geht das aber nicht! Wir wollen wissen! Mach hin!

Also las ich ein wenig, dachte ein wenig darüber nach, bin über einen römischen Dichter gestolpert und schliesslich bäuchlings in voller Länge im Narzissmus gelandet.
Was zum Teufel ist das schon wieder? Wir Waldschrate sind nicht gerade mit Hochbildung gestraft worden. Wir gehen auf zwei Füssen, essen mit Messer und Gabel und sind scharf auf Riesling aus dem Rheingau. Das musste schon immer ausreichen, um zu existieren. Nun aber versuche ich, Gelerntes sortiert wiederzugeben. Eine Sisyphos-Arbeit.

In einem Blogbeitrag von Ovid, er lebte so um Christi Geburt, findet sich ein schöner Jüngling namens Narziss. Der war so mit unstillbarer Eigenliebe erfüllt, dass es ihn dahinraffte; eine Göttin, die alte Nemesis hat ihn in eine Narzisse verwandelt. Unstillbar heisst zum Beispiel, man kann essen bis an die Kotzgrenze, und bleibt hungrig wie ein Wolf. Klar? Das bedeutet: Moderne Narzissten streben nach Geld, Macht und Prominenz, und können davon nicht genug kriegen. Und sie fühlen in sich den Halbgott, oder mehr.

Nun hole ich meinen Gummihammer aus der Schublade und schlage zu: Die Veranlagung zum Narzissmus steckt in uns allen!

Stelle Dir einen Schieber wie jene für die Lautstärkeregulierung vor. Man hat 10 Stufen, von „nicht erkennbar“ bis „krankhaft“.
Der Schieber steht aus 3. Dort liegt das Optimum. Man ist selbstbewusst, aber im Zwischenmenschlichen ein angenehmer Typ. Oder die Schieber steht auf 9; dann wird man Spitzenpolitiker von der üblen Sorte, die derzeit so viele Schlagzeilen liefern. Und merke: Narzissten können intelligent sein, freundlich, charmant, mithin alles, was beeindruckt – aber damit liefern sie ein falsches Bild von sich. Es ist nichts weiter als Mittel zum Zweck – wie die Unterhose.

Es ist unerträglich. Gerade noch nehmen wir hin, dass wir unsere Haustiere nicht so recht verstehen, ihr Wesen nicht erfassen können. Aber wir Menschen kennen auch uns selbst nicht. Zumindest wir Waldschrate.

Der Riesling, den ich gerade trinke, kommt nicht aus dem Rheingau, sondern aus der Pfalz. So geht es auch. Schliesslich bin ich Pfälzer.

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