514 – Starten

Wenn es trickreich gelungen ist, irgendein kleines Problem ohne Getöse zu lösen, so spricht man davon, es sei wieder einmal gelungen, ein halbes Pfund Butter an die Front zu schmuggeln.

Ein solches Erlebnis habe ich gerade genossen. Es ist mir gelungen, meiner kleinen Welt der in Kissen gefassten Daunen zu entkommen und frei von Kreuzschmerzen ins Badezimmer zu schweben. Ich schaffte das Rendezvous mit meiner Zahnbürste und praktisch invasiv, in der Küche noch einen Pott schwarze , heisse Brühe, also einen Becher Kaffee zu okkupieren, bevor W. zum 4. Male zuschlagen konnte – sie ist sicherlich wieder einmal seit 5 Uhr damit beschäftigt, Katzen zu füttern und mit diesen Tieren um sich zu werfen, was alle Beteiligten als „Spiel“ auffassen, und mich dank meiner schwachen Konstituition immer wieder erschreckt.

Man sollte sich gegen Risiken, die man kennt, gut absichern. So kann man angstfrei leben. Zum Beispiel sitze ich jeden Morgen in der Küche und starre in meinen Kaffeebecher. Da taucht immer wieder die Frage auf, ob es sich lohnt, weiterzuleben.
Die Antwort muss ich mir selbst erarbeiten. Das dauert. Aber sie lautet stets „Ja, es lohnt sich“. Wie trivial! Witzlos! Aber: Im Hintergrund lauert eine Gefahr. Was tun, wenn die Antwort plötzlich „Nein“ lautet? Uiii ! Für diesen Fall muss man einen Plan haben! Meiner ist schlicht und hochwirksam. Ich prokrastiniere. (Tolles Wort, nicht wahr?) Ich verschiebe also Problem und Antwort auf den nächsten Morgen. Das heute war nur ein Alarm – noch brennt die Hütte nicht. Und in 77,8% solcher Fälle lautet die zweite Antwort, die am Folgetag, wieder „Ja“, dann hat sich das Problem selbst gelöst. Andernfalls: Prokrastination! Darin bin ich gut. Eine Fachkraft. Durchtrainiert bis in die Knochen. Es gibt Jobs, die erfordern, dass man hart im Nehmen ist. Wie ein Handball-Torwart. Dem fliegen ständig härteste Bälle um die Ohren, und so mancher trifft. Der Torwart muss hinhalten, was er zur Verfügung hat, und wenn’s der eigene Kopf ist. Man muss eben die Adrenalin-Produktion mittrainieren.

Jedenfalls: So gerüstet erscheint auch das „Nein“ wie ein Meteor, der mir knapp am Ohr vorbeizischt und im Nichts verschwindet – wo er hingehört.

So zu schreiben mutet ein wenig infantil an. Das ist mir egal.
So zu denken und zu handeln ist dagegen alltäglich, nur nennen wir das Ausweichen bei Problemen anders. Wir reden dann von Verdrängen und Verschieben usw.
Stimmt’s?

Der Tag ist gestartet. Nun kann ich damit beginnen, nichts zu tun.

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