512 – Katzen

Ich hatte schon mehrfach angedeutet, dass W., meine Tochter sich zwei Katzen leistet. W. liebt ihre Viecher innig, wie es scheint. Ich selbst bevorzuge den Status „freundliche Duldung“. Ich toleriere auch schmerzfrei, dass im Flur ständig müll-ähnliches Zeug herumliegt, das die Tiere angeblich zum Spielen brauchen.

Nun sind die Katzen nicht nur Objekt zum Schmusen. Sie stehen unter ständiger Beobachtung; Cilla und Titti unterscheiden sich so sehr, dass sie nicht wirklich miteinander leben können, sondern maximal nebeneinander. Jede der beiden macht ihr Ding, und so bleibt die Spannung zwischen beiden ein Unruhe-Herd.

Es geschieht selten, dass sie direkt und bewaffnet aufeinander losgehen. Wenn es dann doch mal passiert, ist der Mensch in der Pflicht, das Theater zu beenden. Man will schliesslich keinen Krieg unter dem eigenen Dach. Ich denke, es ist falsch, sich in Revierkämpfe einzumischen. Andererseits: Wenn eine Katze danach zum Tierarzt muss, damit der das Fell wieder zusammennäht, ist der Mensch auch geschädigt. Auch der Dr. med.vet. kostet richtig Geld.

Titti ist, was wir „gediegen“ nennen. Sie liebt Ruhe, geknuddelt werden, wenig Aktivität und die Nähe zu ihren Menschen.
Cilla dagegen mag Action, und sie ist extrem neugierig. Wenn man sich an die Nase fasst, kriegt sie das mit und beobachtet angespannt, was da abgeht. Und sie ist wohl die Intelligentere.

Die ständige Beobachtung des Verhaltens beider Tiere bringt gesicherte Erkenntnisse. Aber je mehr man erfährt, desto mehr ist man verunsichert. Wer glaubt, bestimmte Verhaltensweisen seien menschliches Privileg, irrt.

  • Beide Katzen verstehen es, Körperteile des Menschen per sanfter Pfotenarbeit zu sich heranzuholen, um Zärtlichkeiten auszutauschen.
  • Bei Spaziergängen achtet jede der beiden auf die andere.
  • Cilla schmeisst aus Übermut einen Stapel Papier um. Titti kriegt das mit, schreitet gemessen zu Cilla, haut ihr eine runter, dreht sich um und begibt sich zurück auf ihren Ruheplatz. Warum sie so reagiert, weiss man nicht. Vermutlich fühlte sie sich gestört.
  • Titti liegt auf meiner Tastatur und schläft. Ich gehe in die Küche, um Kaffee zu kochen. Nach einer Weile kommt Titti zu mir, mault mich laut an, dreht ab und verschwindet im Wohnraum von W. Ich hatte sie allein gelassen, obschon sie zu mir kam, um nicht allein zu sein, solange W. ausser Haus war.
  • Dann ist da Frodo, der weisse Schönling. Ein Schnorrer vor dem Herrn. Er besucht uns, wie wir es mit einer Kneipe machen würden, gäbe es dort frei Fressen und Saufen. Dafür spielt er auch den „verliebten“ Kater. Er wurde in 4 Stunden 12 mal rausgeworfen, und ist 13 mal wiedergekommen. Das soll ihm nicht noch einmal passieren. Er kommt an, wirft sich auf verfügbare Füsse, schmust mit den Beinen und kommt wieder hoch. Dann gehts zu den Fressnäpfen, die er gewissenhaft leert. In diesen Kater passen ziemlich genau 5 normale Portionen. Sind sie verfügbar, so ist es ihm gerade recht. Nach dem Fressen braucht er noch bis zu 2 Stunden, um zu chillen, dann verduftet er still und leise. Eine Beziehung zum Menschen braucht er nicht.

Das Rudelverhalten verwundert nicht. Raubtiere in freier Wildbahn haben es mehr oder weniger kultiviert.
Weniger populär ist, dass Hauskatzen menschenähnlich reagieren können. Genetisch veranlagt, oder erlernt – ich werde es nicht erfahren.

Ich habe gelernt. Wir haben die Katzen nun seit einem Jahr, und wir wissen trotz aller Mühe nur sehr wenig über sie, und lassen uns immer wieder beeindrucken. Die gegenüber Tieren gezeigte Arroganz ist nicht akzeptabel. Wir urteilen über Wesen, die wir garnicht kennen. Darum legen wir Hunde lebenslang an Ketten und ersäufen Katzen im Jutesack.

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