509 – Kochvergnügen

Ich muss das jetzt mal ganz schnell los werden. Mir stand der Sinn nach Gurkensalat. Frag‘ nicht warum. Schwanger bin ich nicht, das kann ich garantieren. In der Küche warteten zwei Gurken auf ihren Opfertod. Ich habe sie gehobelt uind weggestellt, um eine Marinade zusammenzuschrauben. Wie ich das tun könnte, wusste das Internet. Also griff ich mir beim Chefkoch ein Rezept und rührte eine Brühe zusammen. Und wie es sich gehört, probierte ich mein Produkt. Dabei spürte ich, dass meine Zehen immer länger wurden und sich irgendwann Richtung Fußsohle zusammenkrampften. Teufel, dachte ich, da ist was faul, probier nochmal – alles normal. Anscheinend nur für mich. Ich kippte meine Marinade über die Gurken, fügte noch ein wenig rote Zwiebel hinzu, wartete so um 10 Minuten und probierte.

Der Krampf in den Füßern begann zu schmerzen. Dann kam W. in die Küche, probierte. Ihre Körperhaltung veränderte sich und signalisierte mir: Gefahr! Flüchten!


Ich kostete meinen Salat erneut. Auf beiden Unterarmen hatten sich nun braune Flecken gebildet, die juckten. Ich verstand endlich. Zu sauer, die Gurken-Mumpe. W. probierte: Das kriegste nicht weg. Aber versuch’s mal mit Sahne! Nun eskaliert meine üble Laune, mir ist zum Kotzen zumute. Ich mag keine Sahne an Salaten!Aber irgendwas muss nun geschehen!

Ich setzte meinen Salat komplett unter Wasser und wusch ihn. Natürlich ohne Spülmittel. Probierte. Hatte nun labberigen Gurkensalat, der nach Leitgungswasser schmeckte. Also Zucker dran, probiert: Bäh! Zitronensaft hinzugegeben. Die Gurken kamen nun wieder auf die Füsse, doch noch war das alles zu süss geworden. Also 100 g Tzaziki untergerührt. Nun schienen Süsse und Säure gezähmt – nützte ein wenig. Es schmeckte noch flach. Ich wurde kreativ und goß 150 ml Kochsahne dran. Ach nööö, dachte ich, nun hab‘ ich’s endlich komplett versaut. In einem geistigen Gewaltakt voller schöpferischer Kraft haute ich nochmal 50 g Tzaziki rein, schnippelte eine gelbe Paprika dazu, dann einen grossen Apfel und besserte mit Zitrone ein bisschen nach – und rührte um. Grosse Verwunderung: Die Kochsahne flockte nicht aus! Warum? Kann sie nicht, weils keine Sahne ist, sondern ein Kunstprodukt aus irgendeiner Fabrik, das man Leuten wie mir als Sahne unterjubeln kann.

Das Resultat meiner Bemühungen: Gut geworden. Ein lecker Salätchen zum Sattessen. Hätte ich zum Schluss noch eine grosse Gurke reingehobelt, wäre es perfekt, und ein Gurkensalat geblieben.

Ich wills mal so sagen: Einen Gurkensalat wie von Oma Emmi kann jeder. Aber einen, wie von Oma Emmi, wenn sie einen schlechten Tag hatte, eben doch nicht. Dann sind Mut, Kraft und Kreativität gefordert, die nur eine Hausfrau beweist, wenn der Besuch schon vor der Haustür steht, während der Salat in der Küche gerade das hölzerne Salatbesteck wegfrisst und hinterher wie die Nordmanntanne nach Weihnachten schmeckt.

Was mich betrifft, lautet die Wahrheit:

„Das Glück ist mit die Dummen!“

Es tröstet die Erfahrung, dass auch in Tälern der Finsternis manchmal ein Lichtlein aufleuchtet und den Weg zur nächsten Gastwirtschaft zeigt (wo vermutlich eine Oma Emmi Regie führt, die mit dem erstklassigen Gurkensalat).

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