495 – Hosen

Ich wollte nie Tagebuch schreiben, und ich werde damit auch heute nicht anfangen. Wenn es so aussieht: Drei Tage habe ich kurz skizziert, und damit ist es gut. Drei Tage aus dem Leben eines Narren; so könnte man die drei betreffenden Beiträge zusammengefasst betiteln. Heute wäre Tag vier dran , aber ich lasse ihn dort, wo er nicht stört.

An seiner Stelle erzähle ich nun etwas über meine Hosentaschen. Wie? Doch, ich meine das so, wie ich es sage. Wenn ich Hosentaschen schreibe, so meine ich Hosentaschen! Wieso? Weil mir nichts Besseres einfällt. Und bitte, dies zur Erinnerung: Wem das Thema zu unakademisch ist, der muss sich nicht mit Trivia belasten und zappt einfach weg.

Ich beginne mit den Grundlagen. Wo eine Hosentasche ist, da ist auch eine Hose. Ich kann keine Hosentasche ohne Hose erwerben ….. stopp mal ….. nun habe ich ein wenig gedacht. Wenn ich so weiterschreibe, ordert irgendeiner den Medizinischen Notdienst. Ich rufe mich zur Ordnung: Höre auf damit, Alter! Das wird infantil, um nicht zu sagen grenzdebil!

Verdammt noch mal! Meine Hosentaschen sind für mich aber wichtig! Sie sind der Inbegriff meines Ordnungssinnes. Pass mal auf:

Seit einem halben Jahrhundert herrscht da drinnen Ordnung. Links ein Taschentuch aus den Beständen der Bunderwehr, und ein Handschmeichler, ein Carneol, rot wie eine Tomate. Rechts ein Microfasertüchlein zum Brille putzen und ein Taschenmesser.
Letzteres ist handgefertigt, aus Frankreich, ein Laguiole mit Griffplatten aus fossiler Mooreiche (Vorsicht! E i c h e , nicht Leiche).

Wie auch immer, diese Grundordnung hat ein halbes Leben dafür gesorgt, dass ich nicht in den Wirren des Alltags untergegangen bin – doch gestern gab es eine nachhaltige Veränderung: Der Carneol ist im Müll gelandet. Kriegte plötzlich ohne Gewalteinwirkung scharfe Kanten. Er wollte wohl ein Loch in meine linke Hosentasche scheuern und abhauen. Ich habe das Loch verhindert und ihm bei der Flucht geholfen. Mit Genugtuung stelle ich fest, sein erster Schritt in die Freiheit ist zugleich sein letzter. Nun kriegt er Feuer unter den Hintern – in der Müllverbrennung. Ein Heilstein ist er eh nicht gewesen; eher ein Heulstein.

Hier ein anderer, wichtiger Aspekt. Mit Geschick und Phantasie lässt sich aus einer scheinbar leeren Hosentasche unerwartet auch Wertvolles ziehen, wie das überirdisch schöne Duett aus Bizets „Perlenfischer“:

Wage es nicht, gegen meine Hose zu polemisieren! Ich bin da sehr sensibel.

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