482 – Küchenbericht

Leut, ich sage Dir: Überlege Dir gut, wie alt Du werden willst. Mässige Dich! Über 80 kann sein wie ein Griff ins Klo! Ich erlebe das. Wie heute abend.

„Papaaa, da steht immer noch Dein Sahnequark im Kühlschrank!“ Ich brülle zurück: „Weiss ist, ist heute fällig!“
Was dahinter steht, ist die Wiederbelebung einer Erinnerung aus meiner Kindheit. Die trägt den Titel „Pellkartoffeln mit Quark“. Ich wollte das mal wieder essen, und es ist rasch hergerichtet. Zwiebelwürfel in den Quark, Salz und Pfeffer dazu, mkit Milch geschmeidig gerührt und mit Zucker verfeinert – alles in eine Schale und gut gerührt. Wenn die Kartoffeln gar sind, stellt man alles auf den Tisch. Jeder Teilnehmer pellt sich seine Knollen selbst, und los gehts.

Die Pellkartoffeln liegen auf meinem Teller. Sie sind friedlich, wie man das von totem Gemüse erwarten darf. Der Sahnequark war jedoch von Beginn an auf Krawall programmiert. Bereits beim Einrühren der Milch spuckte er einen Schluck davon über den Schüsselrand und treffsicher auf meine Hose, die ich zuvor frisch gewaschen aus der Waschmaschine hervorkramte. Und schon war ich verbittert, denn ich wusste, was kommt. Warum? Weil es immer so kommt. Mit dem 1. Löffel aus der Schale landet eine Quarkbombe auf meiner schwarzen Hose, mit dem 6. Löffel eine zweite. „Papaaa, Du musst Dich umziehen! Du hat Quark am Hemd!“ „Danke für den Tip! Ist ja so schlecht zu sehen, das Weiss auf dem Dunkelblau!“ Inzwischen ist die Gabel eingesaut bis rauf zum Stiel-Ende. Ich habe keine Ahnung, wieso. Aber so kann ich nicht essen. Lege die Gabel weg und schiebe den Teller zurück, fasse dabei wo hinein? In Sahnequark! Genau dort, wo ich hinfasse, hängt eine von den weissen Bomben, nun unsichtbar, weil der Teller selbst weiss ist! Ich bemerke, dass die Waffe des Quarks er selbst ist. Er opfert sich!
Nun kommt hinzu, dass ich weiss, meine Kartoffeln werden kalt. Rufe den Küchenkrepp zu Hilfe. Er und ich putzen meinen Arbeitsplatz notdürftig, und ich kann den Rest meiner Erinnerung geniessen. Ja, ich habe es genossen. Erstens aus Prinzip, zweitens aus Trotz und drittens, weils gut schmeckte.

Die andere Seite der Medaille: Viel, viel Arbeit!

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